Zu Beginn setzen sich die Schüler:innen in Einzelarbeit mit einer Liste möglicher Lebensqualitätsfaktoren auseinander (z. B. Gesundheit, Bildung, Wohnung, Freundschaften, Freizeit, Einkommen). Sie wählen zunächst zehn für sie wichtige Aspekte aus und priorisieren diese anschließend. In Partnerarbeit gleichen sie ihre Listen ab und versuchen, sich auf eine gemeinsame Rangfolge zu einigen. Die dabei entstehenden Gespräche fördern nicht nur Selbstreflexion, sondern zeigen auch, wie unterschiedlich Lebensvorstellungen sein können – selbst innerhalb einer homogenen Altersgruppe.
In einem weiteren Schritt erhalten die Paare Rollenkarten (z. B. Straßenkind, Millionär:in, Flüchtling, Rentner:in, Alleinerziehende:r) und überlegen gemeinsam, wie Menschen in diesen Rollen ihre Lebensqualität definieren würden. Diese Perspektivübernahme regt zur Diskussion über soziale Gerechtigkeit, ungleiche Chancenverteilung und gesellschaftliche Solidarität an. Die Jugendlichen reflektieren, wie Vorbilder, soziale Medien, Herkunft und materielle Bedingungen ihre eigenen Wertvorstellungen beeinflussen.
Für den katholischen Religionsunterricht bietet dieser Impuls einen unmittelbaren Zugang zu grundlegenden Themen der christlichen Anthropologie, der katholischen Soziallehre und der ethischen Urteilsbildung. Begriffe wie Würde, Solidarität, Gemeinwohl und Verantwortung werden nicht abstrakt vermittelt, sondern lebensnah erarbeitet. Die Methoden eignen sich sowohl für eine Unterrichtsreihe zu Armut und Gerechtigkeit als auch für den Einstieg in die Frage nach Berufung, Sinn, Glück und gelingendem Leben – mit Verknüpfung zu biblischen Texten und christlicher Sozialethik.