Interview mit Simon Immanuel Kinota – Berufung und interkulturelle Perspektiven auf Kirche
In der Sendung „Gesichter der Weltkirche“ berichtet Simon Immanuel Kinota, ein Priesterseminarist aus Tansania, über seinen Berufungsweg und seine Erfahrungen im Priesterseminar Heiligenkreuz bei Wien. Die zentrale Motivation für seine Berufung ist der Wunsch, seine Landsleute – insbesondere Muslime – für das Christentum zu gewinnen. Diese Entscheidung stieß in seiner muslimisch geprägten Familie auf Widerstand, doch Kinota betont seine persönliche Freiheit und Entschlossenheit.
Er schildert, wie seine kirchliche Sozialisation durch Ministrieren und den regelmäßigen Messbesuch in Tansania begann. Die Unterschiede zwischen afrikanischer und europäischer Kirchenpraxis thematisiert er deutlich: In Tansania sind Gottesdienste lebendiger, mit Tanz und Gesang, und dauern länger. Nach dem Gottesdienst ist Austausch in der Gemeinde selbstverständlich. Er sieht hierin Potenziale auch für Europa, um kirchliches Leben zu beleben.
Ein Kulturschock in Europa sei für ihn besonders sprachlich spürbar gewesen, zugleich aber auch eine Chance, neue kulturelle Erfahrungen zu machen. Für Kinota ist Priestersein keine nationale Aufgabe – er sieht sich offen für weltkirchliche Sendung. Die Bibelstudienzeit, besonders das Johannesevangelium, prägt seine Spiritualität.
Kinota betont, dass in Tansania Religion integrativer Teil des Lebens ist – Mission wird nicht als Übergriff, sondern als Gesprächsangebot verstanden. Für ihn ist entscheidend, das Wort Gottes weiterzugeben und Menschen zu befähigen, sich eigenständig für den christlichen Glauben zu entscheiden. Er lernt eigenständig Arabisch, um besser mit Muslimen ins Gespräch kommen zu können.
Abschließend stellt er heraus, dass Mission nicht Zwang bedeutet, sondern Teil des Rechts jedes Menschen auf Erkenntnis und Licht sei – mit Respekt vor der Entscheidungsfreiheit des anderen.
Mögliche didaktische Impulse:
Interkulturelle Vergleiche religiöser Praxis
Berufung und persönliche Identitätsbildung
Mission und Religionsfreiheit in pluralistischen Gesellschaften
Perspektiven von Christen in mehrheitlich muslimischen Regionen
Kirche als weltumspannende Gemeinschaft
Diese Inhalte eignen sich besonders für den Religionsunterricht in der Oberstufe im Kontext von Weltkirche, Mission, interreligiösem Dialog und Berufung.