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3 sat | Scobel

3 sat | Scobel

Leben wir in Dunkelheit?

Das sagen Bertolt Brecht und Hannah Arendt

Veröffentlichung:14.12.2023

Das Medium beschäftigt sich mit der Frage, was es bedeutet, in finsteren Zeiten zu leben, und verbindet aktuelle gesellschaftliche Krisen mit philosophischen, historischen und literarischen Überlegungen. Ausgangspunkt sind Kriege, Antisemitismus, soziale Ungleichheit, Umweltzerstörung, politische Spannungen und ein zunehmend aggressiver gesellschaftlicher Umgang. Mithilfe von Bertolt Brechts Gedicht An die Nachgeborenen und Gedanken Hannah Arendts wird dargestellt, wie Menschen auf Unsicherheit, Gewalt und den Verlust vertrauter Orientierung reagieren. Das Medium setzt sich außerdem kritisch mit dem Versprechen der Aufklärung auseinander. Wissenschaftlicher und technischer Fortschritt führen nicht automatisch zu mehr Gerechtigkeit, Frieden und Menschlichkeit. Die nationalsozialistischen Verbrechen, der Holocaust und der Einsatz von Atombomben verdeutlichen, dass Vernunft auch zur Planung und Durchführung von Gewalt eingesetzt werden kann. Abschließend hebt das Medium die Bedeutung menschlichen Handelns hervor. Trotz aller Krisen können Menschen Verantwortung übernehmen, neue Anfänge ermöglichen und an einer gerechteren und menschlicheren Gesellschaft mitwirken.

Gert Scobel widmet sich diesmal den Herausforderungen und finsteren Aspekten unserer Zeit.

Aus dem Exil hatte sich Bertolt #Brecht in seinem Gedicht mahnend „An die Nachgeborenen“ gewandt. Die #Aufklärung, die einst eine Verheißung für eine bessere Zukunft war, hatte auch neue Dunkelheiten geschaffen, insbesondere in Bezug auf moralischen #Fortschritt und Weisheit.

Anhand der Originalaufnahme von Brechts Rezitation seines Gedichtes schildert Gert Scobel, wie der Text heute wieder an Aktualität gewinnt. Doch auch wenn wir in finsteren Zeiten stecken, ist das nicht die Zeit, sich zu verkriechen! Die Welt hat ihre Probleme – deshalb sollten wir handeln.

Gert baut an dieser Stelle auf Hannah Arendt: „Indem wir handeln“, sagte sie, „können wir neue Anfänge setzen.“

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Das Medium eignet sich besonders für den Religionsunterricht in der Sekundarstufe zwei, kann aber auch in höheren Klassen der Sekundarstufe eins eingesetzt werden. Es eröffnet Zugänge zu den Themen Verantwortung, Gerechtigkeit, Hoffnung, Menschenwürde, Schuld, gesellschaftliches Handeln und Umgang mit Krisen. Durch die Verbindung von aktuellen Ereignissen, philosophischen Positionen und literarischen Texten können die Lernenden erkennen, dass religiöse und ethische Fragen nicht losgelöst von gesellschaftlichen Entwicklungen betrachtet werden können.

Als Einstieg kann der Ausdruck finstere Zeiten an der Tafel oder auf einem digitalen Arbeitsblatt festgehalten werden. Die Lernenden sammeln zunächst Situationen, Entwicklungen und Gefühle, die sie mit diesem Begriff verbinden. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass persönliche Ängste nicht bewertet oder vorschnell relativiert werden. Die Ergebnisse können anschließend geordnet werden, etwa nach persönlichen, gesellschaftlichen, politischen und globalen Erfahrungen. Auf diese Weise wird sichtbar, dass derselbe Begriff für verschiedene Menschen unterschiedliche Bedeutungen besitzt.

Vor dem Ansehen des Mediums können die Lernenden Vermutungen darüber formulieren, welche Ursachen finstere Zeiten haben und welche Möglichkeiten Menschen besitzen, auf Krisen zu reagieren. Während des Sehens empfiehlt sich ein strukturierter Beobachtungsauftrag. Die Lernenden können Aussagen zu den Bereichen Krise, Verantwortung, Fortschritt, Hoffnung und Handeln notieren. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, zentrale Gedanken von Bertolt Brecht, Hannah Arendt, Max Horkheimer und Theodor W. Adorno unterschiedlichen Gruppen zuzuweisen. Jede Gruppe achtet während des Sehens besonders auf eine Person oder eine philosophische Position.

Im Anschluss kann das Gedicht An die Nachgeborenen genauer untersucht werden. Die Lernenden können ausgewählte Verse in eigenen Worten wiedergeben und ihre Bedeutung für die Gegenwart erläutern. Besonders geeignet ist die Frage, ob es in Zeiten von Krieg, Armut und Ungerechtigkeit erlaubt ist, sich mit scheinbar schönen oder unpolitischen Dingen zu beschäftigen. Dabei sollte nicht nur die moralische Anklage des Gedichts betrachtet werden. Ebenso wichtig ist die Frage, ob Menschen Erholung, Schönheit und Hoffnung benötigen, um dauerhaft handlungsfähig zu bleiben.

Die Gedanken Hannah Arendts zum Denken ohne Geländer bieten einen weiteren Zugang. Die Lernenden können überlegen, welche Geländer ihnen im Leben Orientierung geben. Dazu gehören Religion, Familie, Freundschaften, Gesetze, Traditionen, Wissenschaft, soziale Medien oder persönliche Werte. Anschließend kann diskutiert werden, was geschieht, wenn vertraute Orientierungen ihre Glaubwürdigkeit verlieren. Im Religionsunterricht bietet sich hier ein Vergleich mit biblischen Erfahrungen von Unsicherheit, Exil, Klage und Neubeginn an. Geeignete Texte finden sich beispielsweise in den Psalmen, in prophetischen Schriften oder in Erzählungen über Flucht, Wüste und Befreiung.

Ein zentraler Schwerpunkt sollte auf der Kritik des Fortschritts liegen. Die Lernenden können Beispiele für technischen Fortschritt sammeln und jeweils untersuchen, ob damit auch ein moralischer Fortschritt verbunden ist. Medizinische Entwicklungen, künstliche Intelligenz, industrielle Produktion, digitale Kommunikation und moderne Waffentechnik bieten geeignete Beispiele. Die Lernenden sollen erkennen, dass eine technische Möglichkeit noch keine ethische Rechtfertigung darstellt. Daraus kann die Frage entwickelt werden, nach welchen Maßstäben Fortschritt beurteilt werden sollte.

Für den Religionsunterricht ist besonders die Verbindung von Fortschritt und Menschenwürde bedeutsam. Die Lernenden können die Aussagen des Mediums mit der Vorstellung vergleichen, dass jeder Mensch unabhängig von Leistung, Herkunft, Besitz oder gesellschaftlicher Stellung einen unverlierbaren Wert besitzt. Daraus ergibt sich die Frage, ob gesellschaftlicher Fortschritt überhaupt als Fortschritt bezeichnet werden kann, wenn bestimmte Gruppen ausgeschlossen, ausgebeutet oder vergessen werden. Hier können Bezüge zur christlichen Sozialethik, zur Option für die Armen, zur Nächstenliebe und zur Verantwortung für die Schöpfung hergestellt werden.

Methodisch eignet sich eine Gruppenarbeit, in der unterschiedliche Krisenfelder untersucht werden. Eine Gruppe kann sich mit sozialer Ungleichheit befassen, eine weitere mit Antisemitismus, eine weitere mit Krieg und Gewalt und eine weitere mit der Klimakrise. Die Gruppen erarbeiten Ursachen, Folgen, betroffene Menschen und mögliche Handlungsmöglichkeiten. Anschließend werden die Ergebnisse vorgestellt und mit den Aussagen des Mediums verbunden. Wichtig ist, dass die Lernenden nicht bei einer reinen Problembeschreibung stehen bleiben, sondern konkrete Möglichkeiten verantwortlichen Handelns entwickeln.

Eine Diskussion kann sich an der Aussage orientieren, dass Aufklärung ihr eigenes Dunkel erzeugen könne. Die Lernenden können zunächst klären, wie diese Aussage verstanden werden kann. Danach sammeln sie Beispiele, bei denen wissenschaftliche oder technische Errungenschaften sowohl hilfreich als auch zerstörerisch eingesetzt wurden. Eine Positionslinie im Klassenraum ermöglicht es, unterschiedliche Einschätzungen sichtbar zu machen. Die Lernenden stellen sich zwischen den Polen Fortschritt macht die Welt besser und Fortschritt schafft neue Gefahren auf und begründen ihren Standort.

Das Medium eignet sich zudem für eine ethische Urteilsbildung. Die Lernenden können ein eigenes Urteil zu der Frage entwickeln, welche Verantwortung einzelne Menschen in gesellschaftlichen Krisen tragen. Dazu unterscheiden sie zwischen persönlicher Verantwortung, politischer Verantwortung, wirtschaftlicher Verantwortung und gemeinschaftlicher Verantwortung. Sie reflektieren, welche Handlungsmöglichkeiten realistisch sind und wo individuelle Möglichkeiten an Grenzen stoßen. Dadurch wird verhindert, dass globale Probleme ausschließlich einzelnen Personen zugerechnet werden.

Zum Abschluss kann eine kreative Aufgabe eingesetzt werden. Die Lernenden verfassen einen kurzen Text an zukünftige Generationen. Darin beschreiben sie, welche finsteren Entwicklungen sie wahrnehmen, welche Hoffnungen sie besitzen und wofür sie Verantwortung übernehmen möchten. Alternativ können sie ein Gegenbild zu finsteren Zeiten gestalten und darstellen, woran helle Zeiten erkennbar wären. Dabei können religiöse Symbole wie Licht, Weg, Hoffnung, Befreiung, Frieden oder Neubeginn einbezogen werden.

Bei der Verwendung des Mediums ist eine sensible Gesprächsführung erforderlich. Themen wie Holocaust, Krieg, Terrorismus, Armut und persönliche Angst können Lernende emotional belasten. Die Lehrkraft sollte deshalb genügend Zeit für Rückfragen, Einordnung und persönliche Reaktionen einplanen. Pauschale politische Zuschreibungen sollten vermieden und antisemitische, menschenfeindliche oder verschwörungsideologische Aussagen klar eingeordnet werden. Ziel des Unterrichts ist keine pessimistische Betrachtung der Gegenwart, sondern die Entwicklung einer verantwortlichen Hoffnung. Die Lernenden sollen erkennen, dass Hoffnung nicht bedeutet, Probleme zu verdrängen. Hoffnung zeigt sich vielmehr darin, Wirklichkeit wahrzunehmen, Ungerechtigkeit zu benennen und Möglichkeiten des Handelns zu entwickeln.

Hessen

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Sekundarstufe II | Q3 Ethik – die Frage nach Gut und Böse

Q3.1 Moralisch argumentieren – Modelle der Ethik.

Sekundarstufe II | Q4 Kirche – Gemeinde Jesu Christi

Q4.3 Kirche in der Welt von heute.

Rheinland-Pfalz

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Sekundarstufe II | 12/2 Gutes Handeln unter dem Anspruch des Christseins

12.2 / 1. Grundzüge christlicher Moral im Kontext philosophischer Ethik.

Sekundarstufe II | 13 Der Mensch und seine Zukunft - Die Zukunft der Menschheit

13 / 7. Zukunft der Glaubenden.

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