Baustein 1 umfasst praktische Übungen zur Sensibilisierung. Kleine sogenannte „Bewusstmacher“ dienen als Einstieg oder Warm-up für vertiefende Einheiten. In der Übung „Ignorieren“ erleben Lernende durch eine Partnerarbeit die Wirkung sozialer Ausgrenzung. Eine Person spricht freundlich an, wird jedoch ignoriert – eine Erfahrung, die intensiv wirken kann. Die Übung „War doch nur Spaß“ simuliert gruppendynamische Übergriffe, bei denen Provokationen am Ende bagatellisiert werden. Diese verdeutlichen die Dynamik von „Spaßgewalt“ und gruppenbedingtem Mut. Die Übung „Sendepause“ zeigt auf, wie Beiträge – insbesondere von Frauen – im Gespräch unterbrochen oder abgewertet werden, was zur Reflexion eigener Gesprächsgewohnheiten anregt.
Weitere vertiefende Übungen sind das „Speed Dating“, bei dem sich Schülerinnen und Schüler anhand vorgegebener Fragen über eigene Erfahrungen austauschen. Die Methode fördert aktives Zuhören und respektvollen Dialog. Im Baustein „Sprachstreichler und Sprachhiebe“ wird die Kraft der Sprache körperlich erfahrbar gemacht: In einem Rollenspiel sprechen sich die Teilnehmenden zunächst wohltuend („Sprachstreichler“), dann aggressiv („Sprachhiebe“) mit Fantasieworten oder Obst-/Gemüsenamen an. Die Wirkung wird in einem anschließenden Austausch reflektiert. Das „Spiegeln“ einer Haltung und von Aussagen dient als Methode zur Deeskalation und Empathieförderung. Die Teilnehmenden lernen, sich in die Perspektive ihres Gegenübers hineinzuversetzen und eigene Reaktionen bewusst wahrzunehmen. Ergänzend können Ansagekarten gestaltet werden, mit denen sich Jugendliche im Konfliktfall gegen respektlose Sprache zur Wehr setzen können.
Baustein 2 widmet sich der kritischen Auseinandersetzung mit gewaltverherrlichender Sprache im Deutschrap. Am Beispiel des Songs „Komm Komm“ von Capital Bra wird die Sprache analysiert, die häufig sexistisch, rassistisch, homophob und diskriminierend ist. Die Jugendlichen erkennen sprachliche Grenzüberschreitungen und reflektieren ihren eigenen Musikgeschmack. Ziel ist es, zwischen musikalischer Form, persönlichem Geschmack und ethischen Maßstäben zu unterscheiden, ohne moralisierend zu wirken.
Baustein 3 arbeitet mit biblischen Texten und nutzt Leerstellen als Raum für Identifikation und Perspektivwechsel. Am Beispiel der Perikope von der Ehebrecherin (Joh 8,1–11) übernehmen Lernende verschiedene Rollen (Ankläger, Angeklagte, Jesus) und bringen durch eigene Worte und Haltungen die Dynamik von Ausgrenzung, Beschämung und Vergebung zum Ausdruck. Das methodische Vorgehen ermöglicht empathisches Verstehen, das Einfühlen in Diskriminierungserfahrungen und eine kritische Auseinandersetzung mit sprachlichem und körperlichem Umgang in Konfliktsituationen.
Insgesamt bietet das Material ein differenziertes, praxisnahes Angebot zur Förderung von Gewaltfreier Kommunikation, das sowohl emotionale als auch sprachliche Kompetenzen stärkt.