Für den Religionsunterricht bietet das Medium vielfältige Möglichkeiten, historisches Lernen mit theologischer Urteilsbildung und gegenwartsbezogener ethischer Reflexion zu verbinden. Besonders wichtig ist die im Material selbst vorgenommene Unterscheidung zwischen Historisierung und Aktualisierung. Beide Schritte sollten auch methodisch voneinander getrennt werden. Zu Beginn kann das vorhandene Nerobild der Lernenden erhoben werden. Dazu eignen sich eine Abbildung Neros, spontane Assoziationen oder bekannte Darstellungen aus Film, Literatur und Populärkultur. Begriffe wie Tyrann, Künstler, Kaiser, Brandstifter und Christenverfolger können gesammelt und anschließend im Verlauf der Unterrichtsarbeit überprüft werden. Gerade diese Gegenüberstellung von Vorwissen und historischer Quellenarbeit ermöglicht den Lernenden zu erkennen, wie Geschichtsbilder entstehen und wie stark sie durch spätere Überlieferungen geprägt sein können. Die unterschiedlichen Darstellungen Neros können arbeitsteilig untersucht und hinsichtlich Perspektive, Interesse und Aussageabsicht verglichen werden. Dabei sollte nicht das Ziel verfolgt werden, Nero nachträglich zu rehabilitieren oder das traditionelle Bild lediglich umzukehren. Vielmehr können die Lernenden erfahren, dass historische Urteile aus einer kritischen Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Quellen entstehen müssen. Das Medium weist selbst darauf hin, dass ein historisches Gesamtbild Neros angesichts unterschiedlicher und teilweise subjektiver Quellen nur begrenzt möglich ist. Für eine weitere Unterrichtsphase eignet sich der Brand von Rom als exemplarischer Gegenstand. Die Lernenden können untersuchen, was die Quellen tatsächlich über Neros Verantwortung aussagen und wie aus Gerüchten, politischer Kommunikation und späterer Überlieferung ein dauerhaftes Geschichtsbild entstehen konnte. Besonders ergiebig ist der bei Tacitus überlieferte Zusammenhang zwischen dem Brand und der Verfolgung der Christen. Die christliche Gemeinde kann dabei als religiöse Minderheit betrachtet werden, die aufgrund vorhandener Vorurteile für die Rolle eines Sündenbocks geeignet erschien. Das Material macht deutlich, dass frühe Christen von außen als erkennbare Gruppe wahrgenommen wurden, während ihre religiösen Praktiken zugleich Anlass für Vorurteile und Verleumdungen boten. Daraus lässt sich eine Unterrichtssequenz zu Fremdheit, Ausgrenzung, Vorurteilen und Mechanismen der Sündenbocksuche entwickeln. Eine Aktualisierung sollte jedoch nicht durch vorschnelle Gleichsetzungen erfolgen. Stattdessen können die Lernenden zunächst historische Mechanismen herausarbeiten und anschließend prüfen, wo vergleichbare Strukturen der Abwertung religiöser oder ethnischer Minderheiten in anderen historischen oder gegenwärtigen Kontexten begegnen. Für die Behandlung von Verfolgung und Märtyrertum bietet sich eine sensible, opferorientierte Vorgehensweise an. Das Medium macht darauf aufmerksam, dass Märtyrererzählungen ursprünglich nicht allein das Leiden dokumentieren, sondern Standhaftigkeit und Glauben exemplarisch darstellen. Die Lernenden können deshalb untersuchen, wie aus Opfern Märtyrer und aus Märtyrern religiöse Erinnerungsfiguren werden. Dabei lassen sich Erinnerungskultur, Heiligenverehrung, Glaubenszeugnis und die problematische Heroisierung von Gewalt voneinander unterscheiden. Ein weiterer Schwerpunkt kann auf dem Verhältnis von Christentum und politischer Macht liegen. Besonders geeignet ist ein Vergleich unterschiedlicher neutestamentlicher Positionen. Während staatliche Ordnung grundsätzlich anerkannt werden kann, wird die Vergöttlichung politischer Macht entschieden zurückgewiesen. Das Material fasst diese Spannung in der Aussage zusammen, dass der Kaiser kein Gott ist. Hier können die Lernenden beispielsweise Aussagen aus Römer 13 mit apokalyptischen Vorstellungen aus Offenbarung 13 vergleichen und fragen, unter welchen Bedingungen politische Herrschaft Anerkennung verdient und wann religiös begründeter Widerspruch notwendig wird. Die Zahl 666 und die Vorstellung Neros als Personifizierung gottfeindlicher Herrschaft eröffnen zusätzlich einen Zugang zur Bildsprache der Apokalyptik. Dabei sollte vermieden werden, apokalyptische Texte unmittelbar auf gegenwärtige Personen oder politische Ereignisse zu übertragen. Stattdessen können die Lernenden deren historische Situation, symbolische Sprache und Funktion erschließen. Das Material fordert ausdrücklich dazu auf, solche Texte weder fundamentalistisch zu verengen noch durch rein historische Betrachtung ihrer religiösen Aussagekraft zu berauben. Für ältere Lernende eignet sich außerdem die These „Nero als Geburtshelfer des Christentums“ als anspruchsvolle Problemfrage. Die Lernenden können Argumente sammeln, historische Zusammenhänge prüfen und beurteilen, in welchem Sinn die Verfolgung und die politischen Entwicklungen während Neros Herrschaft indirekt zur weiteren Entwicklung des Christentums beigetragen haben könnten. Wichtig ist dabei die im Medium formulierte Einschränkung, dass ein direkter Einfluss anhand der Quellen nicht nachgewiesen werden kann. Methodisch bieten sich Quellenanalyse, Bildinterpretation, arbeitsteilige Gruppenarbeit, Zeitleisten, Perspektivwechsel, strukturierte Diskussionen, Schreibgespräche und begründete historische Urteile an. Zum Abschluss kann die Quo vadis Legende eingesetzt werden. Petrus erscheint dort nicht einfach als unerschütterlicher Glaubensheld, sondern als Mensch, der scheitert und gerade durch sein Scheitern zu einem vertieften Verständnis seines Glaubens gelangt. Damit eröffnet das Medium über die historischen Fragestellungen hinaus einen persönlichen theologischen Zugang zu Angst, Mut, Verantwortung, Glauben, Scheitern und der Frage, wofür Menschen einzustehen bereit sind.