Didaktisch verfolgt die Unterrichtsstunde einen problemorientierten und multiperspektivischen Ansatz. Zu Beginn sammeln die Lernenden ihre Vorstellungen zum Begriff Märtyrer und setzen diese mit einer aktuellen Zeitungsüberschrift oder einem Bildimpuls in Beziehung. Anschließend erarbeiten sie arbeitsteilig Texte zum christlichen und islamischen Verständnis des Martyriums und vergleichen Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede. In einer weiteren Lernphase recherchieren sie die Lebensgeschichten der Lübecker Märtyrer und analysieren deren Motive für den Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Die Ergebnisse werden in Gruppen präsentiert und gemeinsam reflektiert. Vertiefende Aufgaben regen dazu an, die Bedeutung von Zivilcourage, Gewissensfreiheit und Verantwortung für die heutige Gesellschaft zu diskutieren. Kreative Schreibaufgaben, etwa das Verfassen eines Leserbriefes oder die Gestaltung eines Plakates, ermöglichen einen lebensweltlichen Transfer und fördern Urteilsfähigkeit, Empathie sowie religiöse Dialogkompetenz.
Der Einstieg gelingt über einen Text von Maximilian Kolbe. Er hatte den Platz eines Familienvaters eingenommen und wurde somit zum Tod durch verhungern und verdursten verurteilt. Es stehen eine Reihe von Auswertungsoptionen zur Verfügung.
In einem weiteren Material werden die persönlich bedeutsamen Dinge im Leben anhand von neun Fragen zu Lebenssinn, Interessen, etc. reflektiert. Der Begriff Leben wird definiert.
Im nächsten Schritt wird dieselbe Methode auf Jesu Leben angewendet. Die Erfüllung von Jesu leben wird diskutiert. Dann findet ein Vergleich der persönlichen Lebensansicht und der Jesu statt. Zwei Lösungsmaterialien bieten Hilfestellung für die Lehrkraft.
Ein weiterer Schritt untersucht Jesu vorbildhaftes Handeln. Es werden drei Maßstäbe Jesu erfasst, die ihn zum generellen Vorbild aller christlichen Märtyrer macht. Diese werden priorisiert.
Das nachfolgende Material bietet zwei weitere christliche Märtyrer an. Ein Lebenslauf wie die zwei angegebenen wird für Maximilian Kolbe in einem leeren Feld eingetragen. Motive der Märtyrer werden ermittelt und verglichen. Auch ihre Voraussetzungen werden festgehalten.
Nun werden die drei Märtyrer mt ihrem Vorbild Jesus verglichen.
Im nächsten Schritt wird der Begriff des Martyriums im Islam erfasst. Dabei wird der Begriff Dschihad definiert. Der Bezug von Gewalt und Martyrium im Islam wird diskutiert. Eine alternative Vorstellung des Maryriums im Islam wird von der Strömung des Suffismus vertreten. Ein Material stellt diese Perspektive vor. Dort gibt es eine Art dritten Orden, der Mitglieder aus der regulären Bürgerschaft hat.
Mit dieser Erweiterung der Perspektive wird der Begriff des Märtyrers ermeut difiniert.
Zwei Beispiele für Friedensbotschafter aus dem islamischen Kulturkreis werden aus dem Material erarbeitet.
M1 „Ich gehe anstelle dieses Vaters“. Maximilian Kolbe gibt sein Leben für einen anderen Mann
Die Lernenden lernen die Lebensgeschichte des heiligen Maximilian Kolbe kennen. Sie analysieren seine Entscheidung, freiwillig für einen Familienvater in den Tod zu gehen, und diskutieren, weshalb sein Handeln als christliches Glaubenszeugnis verstanden wird. Dabei setzen sie sich mit den Begriffen Opferbereitschaft, Nächstenliebe und Verantwortung auseinander.
M2 Mein Leben
Die Lernenden reflektieren ihr eigenes Leben, ihre Werte und die Menschen, die ihnen wichtig sind. Sie überlegen, wofür sie Verantwortung übernehmen und welche Ziele ihr Leben prägen. Dadurch wird eine persönliche Verbindung zum Thema hergestellt.
M3 Mein Leben aus der Sicht von Jesus
Die Lernenden vergleichen ihre eigenen Lebensvorstellungen mit der Botschaft Jesu. Sie untersuchen, welche Werte Jesus vermittelt und wie christliche Nachfolge im Alltag aussehen kann. Dadurch wird die Verbindung zwischen Glauben und Lebensgestaltung sichtbar.
M4.1 Jesus kritisiert das Geschehen im Tempel
Die Lernenden analysieren die Tempelreinigung und erkennen, dass Jesus gegen Ungerechtigkeit und Missbrauch religiöser Macht auftritt. Sie diskutieren, wann Widerstand notwendig sein kann und welche Konsequenzen mutiges Handeln haben kann.
M4.2 Jesus gibt anderen etwas zu essen
Anhand der Speisung der Menschenmenge setzen sich die Lernenden mit der Fürsorge Jesu auseinander. Sie erarbeiten, wie sich christliche Nächstenliebe konkret zeigt und welche Bedeutung das Teilen für das Zusammenleben besitzt.
M5 Jesus gibt sein Leben für andere
Die Lernenden erschließen die Passion Jesu als Mittelpunkt des christlichen Verständnisses von Hingabe und Liebe. Sie vergleichen Jesu Handeln mit dem Beispiel Maximilian Kolbes und erkennen Gemeinsamkeiten im Einsatz für andere Menschen.
M6 Märtyrerinnen und Märtyrer als Vorbilder!?
Die Lernenden diskutieren kritisch, ob Märtyrerinnen und Märtyrer heute noch Vorbilder sein können. Sie wägen Chancen und Grenzen solcher Vorbilder ab und entwickeln eigene Kriterien für verantwortungsvolles Handeln.
M7 Jesus Christus als Vorbild im Leben und Sterben
Die Lernenden vertiefen das christliche Verständnis von Nachfolge. Sie arbeiten heraus, dass christliches Martyrium nicht Gewalt verherrlicht, sondern aus Liebe, Gewaltlosigkeit und Vertrauen auf Gott entsteht.
M8.1 Eine falsche Spur? Zum Missbrauch des Begriffs Dschihad im Islam
Die Lernenden setzen sich mit der medialen Darstellung des Dschihad auseinander. Sie erkennen, dass extremistische Gruppen religiöse Begriffe missbrauchen und unterscheiden zwischen islamischer Lehre und Gewaltideologien.
M8.2 Sufismus als lebende Märtyrer
Die Lernenden lernen den Sufismus als mystische Strömung des Islam kennen. Sie entdecken Formen der Hingabe, des Friedens und der spirituellen Selbsthingabe, die sich deutlich von gewaltbereiten Ideologien unterscheiden.
M8.3 Wie ist der Märtyrerbegriff im Islam zu verstehen?
Die Lernenden vergleichen das christliche und das islamische Verständnis des Martyriums. Sie arbeiten Gemeinsamkeiten und Unterschiede heraus und fördern ihre interreligiöse Dialogkompetenz.
M8.4 Beispiel Malala Yousafzai
Am Beispiel Malala Yousafzai untersuchen die Lernenden, wie mutiger Einsatz für Bildung, Menschenrechte und Freiheit heute aussehen kann. Sie diskutieren, ob ihr Handeln mit dem Begriff Glaubenszeugnis oder Martyrium in Verbindung gebracht werden kann.
M9 Navid Kermani Über die Grenzen Jacques Mourad und die Liebe in Syrien
Die Lernenden lesen einen aktuellen Bericht über christliches Glaubenszeugnis im Nahen Osten. Sie reflektieren die Bedeutung von Versöhnung, Feindesliebe und Hoffnung angesichts von Krieg und Verfolgung und übertragen diese Erkenntnisse auf heutige gesellschaftliche Herausforderungen.