Der Einstieg gelingt über eine Video zum Libanon und die Situation der Flüchtlinge und Einheimischen dort. Der Libanon hat so viele syrische Flüchtlinge aufgenommen, dass sich die Bevölkerungszahl mancher Dörfer verdoppelt hat. Die Erarbeitung zeigt auf, wie gering die Belastung Deutschlands durch Flüchtlinge ist, wenn diese mit anderen Ländern verglichen wird. Dazu werden Interviews und Informationstexte zu Libanesen und deren Lebensveränderung durch Flüchtlinge aus Syrien angeboten. Dort fallen Wasser und Strom regelmäßig aus und Überfremdung wird thematisiert. Unter jedem Arbeitsmaterial wird auf einer Seite der Unterrichtsverlauf beschrieben. Im PDF sind auch Unterrichtskonzepte für Grundschule und SEK II enthalten. Die Gelben Felder im Kopf der Seiten zeigen die Zielgruppe an.
Für den Religionsunterricht bietet das Medium vielfältige Möglichkeiten, die Themen Flucht, Fremdsein, Heimat, Menschenwürde, Frieden, Nächstenliebe, Verantwortung und Solidarität miteinander zu verbinden. Besonders geeignet ist der biografische Zugang über die Multimedia Reportage und die Interviews. Anstatt Flucht ausschließlich über abstrakte Zahlen und politische Zusammenhänge zu behandeln, begegnen die Lernenden konkreten Menschen mit Erfahrungen, Ängsten, Bedürfnissen und Zukunftswünschen. So berichtet beispielsweise Alaa von der Zerstörung ihres Hauses, dem Verlust ihres früheren Alltags und ihrem Wunsch nach libanesischen Freunden sowie danach, ihr Studium fortsetzen zu können. Familie Hussein schildert neben wirtschaftlichen Schwierigkeiten auch Erfahrungen von Diskriminierung und Gewalt, zugleich aber ebenfalls konkrete Hilfsbereitschaft durch Menschen im Libanon. Diese unterschiedlichen Erfahrungen eignen sich für einen Perspektivwechsel, bei dem die Lernenden herausarbeiten, was Menschen durch eine Flucht verlieren, welche Bedürfnisse auch nach der Ankunft bestehen und welche Bedeutung Sicherheit, Anerkennung, Freundschaft, Bildung und Zugehörigkeit besitzen. Zugleich ist es didaktisch wichtig, geflüchtete Menschen nicht ausschließlich als Opfer wahrzunehmen, sondern ihre individuellen Lebensgeschichten, Fähigkeiten, Wünsche und Handlungsmöglichkeiten einzubeziehen. Das Material ermöglicht außerdem einen Perspektivwechsel zur aufnehmenden Gesellschaft. Interviews mit libanesischen Einwohnerinnen machen Belastungen durch knappe Ressourcen, Probleme der Infrastruktur und Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt sichtbar. Dadurch lässt sich im Unterricht diskutieren, wie gesellschaftliche Konflikte entstehen und wie zwischen nachvollziehbaren Sorgen, Vorurteilen, Diskriminierung und menschenfeindlichen Einstellungen unterschieden werden kann. Methodisch bietet sich ein mehrstufiges Vorgehen an. Zu Beginn können die Lernenden ihr Vorwissen zu Syrien, dem Libanon und Flucht sammeln. Eine Karte unterstützt anschließend die geografische Orientierung. Danach wird die Multimedia Reportage betrachtet. Beim ersten Sehen sollte das Verstehen der Personen und Situationen im Mittelpunkt stehen. Bei einer zweiten Betrachtung können konkrete Beobachtungsaufträge vergeben werden, etwa zu den Erfahrungen der Geflüchteten und zu Maßnahmen, die Begegnung und Verständigung fördern. Dieses Vorgehen ist im Material ausdrücklich vorgesehen. Anschließend können einzelne Interviews arbeitsteilig in Gruppen untersucht und die Ergebnisse miteinander verglichen werden. Besonders ergiebig für religiöses und ethisches Lernen ist die im Heft vorgeschlagene Aufgabe, sich vorzustellen, das eigene Zuhause kurzfristig verlassen zu müssen und zu überlegen, was man mitnehmen würde und was man nach der Ankunft in einem fremden Land zum Leben und Glücklichsein benötigte. Dabei werden ausdrücklich auch nicht materielle Bedürfnisse wie Freundschaft berücksichtigt. Daran kann eine religionspädagogische Vertiefung anschließen, in der die Lernenden ihre Ergebnisse mit Vorstellungen von Menschenwürde, Nächstenliebe, Barmherzigkeit, Gastfreundschaft, Gerechtigkeit und Frieden in Beziehung setzen. Denkbar sind außerdem Bezüge zu biblischen Erzählungen von Flucht, Fremdsein und Aufnahme. Eine weitere Stärke des Mediums liegt in seiner Handlungsorientierung. Die Lernenden bleiben nicht bei der Beschreibung von Problemen stehen, sondern setzen sich mit Möglichkeiten gewaltfreier Konfliktbearbeitung auseinander. Das im Material vorgestellte Theaterprojekt macht beispielsweise erfahrbar, wie ein Perspektivwechsel Verständnis ermöglichen und alternative Reaktionen auf Ausgrenzung und Konflikte eröffnen kann. Als Abschluss eignen sich Plakatgestaltung, Schreibgespräch oder die Entwicklung eigener Handlungsideen. Das vorgeschlagene Schreibgespräch mit Satzanfängen wie „Ich habe entdeckt, dass...“, „Ich wüsste gerne noch...“ und „Mir war wichtig, dass...“ ermöglicht eine individuelle Reflexion und einen Austausch innerhalb der Lerngruppe. Im Religionsunterricht kann diese Reflexion um die Frage erweitert werden, welche persönliche und gesellschaftliche Verantwortung aus dem Gelernten erwächst. Da Fluchterfahrungen auch Teil der Biografie von Lernenden sein können, sollte das Thema sensibel behandelt werden. Persönliche Erfahrungen sollten nicht eingefordert werden. Lernende sollten jederzeit die Möglichkeit haben, sich mit den bereitgestellten Fallbeispielen zu beschäftigen, ohne eigene oder familiäre Erfahrungen offenlegen zu müssen.