„Darüber muss ich klagen und heulen, ich muss barfuß und bloß dahergehen; ich muss klagen wie die Schakale und jammern wie die Strauße“ - Ja, der Prophet Micha dreht richtig auf mit seiner Anklage gegen Israel - SOMMERS WELTLITERATUR fasst sein Wirken in knapp fünf Minuten zusammen.
Als Zeitgenosse des ersten Jesaja, also zu der Zeit, als es mit dem Südreich Juda auf die Endgerade geht, betreibt Micha sehr deutliche Kapitalismuskritik: Er hält den Reichen vor, Arme auszubeuten; er beschuldigt die Priester, bewusst das Falsche zu tun und klagt die falschen Propheten an, sich dem Meistbietenden zu verkaufen. Dann jedoch entwirft er auch eine Vision des zukünftigen Gottesreiches, bei dem der Berg Zion das Zentrum einer utopischen Welt werden wird. In diesem Zusammenhang prophezeit er auch den künftigen Heilsbringer aus Bethlehem. Noch einmal klagt er das Volk Israel an, kommt dann aber auf die verheißungsvolle Zukunftsvision zurück.