„Tu deinen Mund auf und iss, was ich dir geben werde. Und ich sah, und siehe, da war eine Hand gegen mich ausgestreckt, die hielt eine Schriftrolle.“ - Bei Gott gilt: Was auf den Tisch kommt, wird gegessen. Aber im Unterschied zu menschlichen Medienerzeugnissen führt der Konsum bei Hesekiel dazu, dass er anschließend tatsächlich das Wort Gottes in sich trägt. Was er dann damit macht, fasst SOMMERS WELTLITERATUR in achteinhalb Minuten zusammen.
Hesekiel gehört zu den ersten nach Babylon deportierten Israeliten, dennoch engagiert ihn Gott vorwiegend zur Auseinandersetzung mit den Sünden der Stadt Jerusalem. Ähnlich wie bei Jeremia werden wir sozusagen Zeuge der Erfindung des Regietheaters, denn Gott gibt seinem Propheten auch hier wieder genaue Anweisungen, mit Hilfe welcher Performances er (neben seinen Predigten) dem Volk Israel seine Sünden anschaulich machen soll. Nachdem der Fall Jerusalems und die Zerstörung des Tempels Hesi bereits in einer Vision offenbart wurde, geschieht es auch, dass die Stadt fällt und viele Einwohner von Juda ebenfalls in die Verbannung geschickt werden. Jetzt jedoch folgt eine versöhnliche Zukunftsvision: Gott gibt Hesekiel die genauen Baupläne für den neu zu errichtenden Tempel durch und verspricht, das Volk Israel wieder zurückzubringen.