Für den Religionsunterricht bietet das Medium außerordentlich vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Bereits die einführenden Materialien zu Gewaltformen ermöglichen einen lebensweltlichen Zugang über Erfahrungen der Lernenden mit Konflikten, Ausgrenzung, Mobbing oder verbaler Gewalt. Die verschiedenen Gewaltbegriffe können durch Fallanalysen, Positionierungslinien oder Gruppenarbeiten erschlossen werden. Besonders gewinnbringend ist die Gegenüberstellung unterschiedlicher Erklärungsmodelle von Aggression. Die Lernenden können die Lerntheorie von Albert Bandura, die biologische Triebtheorie von Konrad Lorenz, neurowissenschaftliche Ansätze und die theologische Deutung der Kain und Abel Erzählung vergleichen und kritisch bewerten. Dadurch wird deutlich, dass Gewalt weder monokausal erklärt noch einfach moralisch verurteilt werden kann. Die Abschnitte zu Terrorismus und Krieg eignen sich für die Analyse aktueller Konflikte sowie für die Diskussion ethischer Fragen nach Legitimität, Widerstand, Selbstverteidigung und staatlichem Gewaltmonopol. Besonders ergiebig sind Debatten über die Frage, ob Gewalt unter bestimmten Bedingungen gerechtfertigt sein kann. Im theologischen Kontext lassen sich Bezüge zur Bergpredigt, zur Feindesliebe, zur Friedensethik Jesu sowie zu christlichen Vorstellungen von Versöhnung und Gerechtigkeit herstellen. Die Materialien zu Martin Luther King, Albert Einstein und gewaltfreiem Widerstand eröffnen alternative Perspektiven auf Konfliktlösung und gesellschaftlichen Wandel. Methodisch bieten sich Dilemma Diskussionen, Rollenspiele, Gerichtsverhandlungen, Podiumsdiskussionen, Expertenrunden, Streitgespräche, Textanalysen, Planspiele und kreative Schreibaufgaben an. Besonders in der gymnasialen Oberstufe fördert der Reader die ethische Urteilsbildung, die Perspektivübernahme sowie die Fähigkeit der Lernenden, komplexe gesellschaftliche Konflikte differenziert zu analysieren und eigene begründete Positionen zu entwickeln.
Der Einstieg gelingt über einen Versuch Gewalt zu definieren. Dabei wird aus einer Sammlung von Schlagwörtern und Sätzen im Material ausgewählt was persönlich als Gewalt bezeichnet wird.
Die Auffassung wird in Partnerarbeit mit dem Sitznachbarn diskutiert und eine Definition wird erstellt. Im nächsten Schritt werden die sprachliche, körperliche, strukturelle und kulturelle Form sowie weitere Formen der Gewalt vorgestellt. Eine umfassende Definition von Gewalt ist ebenfalls im Material enthalten.
Es folgen Texte zu rechtlich kodifizierten Formen von Gewalt. Dazu gehört häusliche Gewalt.
Im nachfolgenden Schritt wird Terrorismus definiert. Die Unterform des islamischen Terrorismus wird ebenfalls vorgestellt. Es folgt eine Definition von Krieg.
In einem weiteren Schritt wird die Aggression von der Lerntheorie her betrachtet. Dabei wird Banduras Theorie des Behaviorismus genutzt. Die Aufgabenstellungen thematisieren ebenfalls Banduras Theorie. Nachfolgend wird die biologische Triebtheorie behandelt.
Auch die Begründung von Gewalt aus theologischen Motiven wird in einem Text vorgestellt. Die Aufgabenstellung dazu thematisieren alte jüdische Mythen der Existenz des Bösen. Rechtfertigung von Krieg und Gewalt durch das Wirken des Teufels wird thematisiert. Beispiele für christliche motivierte Aggression oder Bekämpfung von Aggressionen in der heutigen Welt werden gesammelt. Dies kann über Webrecherche geschehen. Eine Kritik an diesen Deutungsmustern soll formuliert werden. Ein weiterer Text thematisiert die Aggression aus Sicht der Hirnforschung. Auch dazu sind zwei Aufgabenstellungen angegeben.
Ein weiterer Text thematisiert Frustration und Aggression vor allen Dingen bezogen auf die Schule und die Lebenswelt heutiger Jugendlicher. Die Aufgabenstellungen dazu behandeln Aggressionen persönlichen Umfeld und das Sammeln von Beispielen. Dabei wird auch die Motivation von Gewalt hinterfragt.
In einem weiteren Schritt werden Täterprofile untersucht. Soziopathische Täter und andere psychische Fehlentwicklungen werden dabei bearbeitet.
Ein weiteres Material behandelt eine Parabel von Tolstoy zum Krieg. Das nächste Material untersucht Gewalt in den Medien.
Es folgt eine Analyse von Terrorismus und dessen Motiven. Texte zum Widerstandsrecht und Notwehr schließen sich an. Der Tyrannenmord als notwendiges Übel wird untersucht.
In einem weiteren Block aus Texten werden Motivationen zum Krieg untersucht. Dies beginnt mit der Bergpredigt, setzt sich über die Begründung der Kreuzzüge fort. Von Clausewitz definiert den Krieg aus Sicht der Neuzeit. Kaiser Wilhelm II sieht den Krieg als Notwendigkeit zum erkämpfen der Daseinsberechtigung. Auch das Dritte Reich begründet aus darwinistischer Perspektive seine Kriege. Danke Luxemburg sieht den Krieg als Notwendigkeit zu Verteidigung der Rechte der Armen und Arbeiter. Weitere Texte vertiefen diese Perspektive.
Ein weiterer Block von Texten beschäftigt sich mit der Legitimation des Terrorismus im 20 Jahrhundert als Form von Freiheit- und Religionskriegen. Auch George Bush legitimiert seine Kriege auf ähnliche Weise. Nachdem nun Argumente für Gewalt in hinreichender Menge geliefert worden widmet sich eine weitere Gruppe von Texten ethischen Argumenten gegen Gewalt. Einige der Texte enthalten zwei bis drei Fragestellungen.
Was ist Gewalt?
Die Lernenden erhalten eine Liste unterschiedlicher Verhaltensweisen und entscheiden, welche davon sie als Gewalt ansehen. Anschließend entwickeln sie eigene Gewaltdefinitionen und vergleichen diese miteinander. Dadurch wird deutlich, dass Gewalt weit mehr umfasst als körperliche Angriffe.
Arten der Gewalt
Die Materialien führen in sprachliche, körperliche, kulturelle und strukturelle Gewalt ein. Die Lernenden analysieren Beispiele aus ihrem Alltag und ordnen diese den Gewaltformen zu. Besonders geeignet sind Fallanalysen, Gruppenarbeiten und Diskussionen über versteckte Gewaltformen.
Definitionen von Gewalt
Anhand von Lexikontexten und theoretischen Definitionen setzen sich die Lernenden mit unterschiedlichen Gewaltbegriffen auseinander. Sie untersuchen die Frage, ob Gewalt grundsätzlich vermeidbar ist und welche Rolle staatliche Gewalt spielt.
Gewaltschutzgesetz
Die Lernenden lernen rechtliche Möglichkeiten zum Schutz von Opfern kennen. Im Unterricht können Fallbeispiele analysiert und die Aufgaben des Rechtsstaates bei der Gewaltprävention diskutiert werden.
Häusliche Gewalt
Die Materialien verdeutlichen die Situation von Betroffenen und zeigen Ursachen sowie Folgen häuslicher Gewalt auf. Die Lernenden entwickeln Sensibilität für Formen psychischer, körperlicher und sexueller Gewalt und diskutieren Hilfsmöglichkeiten.
Opfer und Täter
Die Lernenden untersuchen die Dynamik zwischen Opfern und Tätern. Dabei reflektieren sie Verantwortlichkeit, Schuld, Rechtfertigungsstrategien und Möglichkeiten der Prävention.
Gewalt an Schulen
Anhand schulischer Alltagssituationen analysieren die Lernenden Ursachen von Mobbing, Ausgrenzung und Gewalt. Gemeinsam werden Strategien für ein friedliches Miteinander entwickelt.
Terrorismus
Begriffsklärung Terrorismus
Die Lernenden vergleichen verschiedene Definitionen von Terrorismus und diskutieren die Schwierigkeiten einer eindeutigen Begriffsbestimmung. Dabei erkennen sie die politische und gesellschaftliche Bedeutung von Sprache und Deutung.
Islamismus und islamischer Terrorismus
Die Materialien unterscheiden zwischen Islam als Religion und islamistischen Ideologien. Die Lernenden setzen sich kritisch mit Vorurteilen, Extremismus und religiösem Missbrauch auseinander. Dies bietet wichtige Beiträge zur interreligiösen Bildung.
Menschenleben für den Staat
Die Lernenden diskutieren die Frage, ob einzelne Menschen für politische Ziele geopfert werden dürfen. Das Material eignet sich hervorragend für ethische Dilemmadiskussionen.
Widerstandsrecht und Notwehr
Die Lernenden untersuchen Situationen, in denen Gewalt zur Verteidigung von Freiheit oder Menschenrechten eingesetzt wird. Dabei werden moralische Grenzen von Widerstand und Selbstverteidigung diskutiert.
Tyrannentod
An historischen Beispielen wird die Frage erörtert, ob die Tötung eines Diktators moralisch gerechtfertigt sein kann. Das Material eignet sich für kontroverse Debatten und Urteilsaufgaben.
Eugen Roth: Nachdenkliche Geschichte
Der literarische Text eröffnet einen emotionalen Zugang zu Fragen von Gewalt und Verantwortung. Die Lernenden interpretieren die Geschichte und reflektieren menschliche Verhaltensweisen.
Krieg
Definitionen von Krieg
Die Lernenden erarbeiten unterschiedliche Kriegsformen und deren Ursachen. Die Materialien schaffen eine Grundlage für die spätere ethische Bewertung von Kriegen.
Afrika – Kontinent von Krisen und Kriegen
An konkreten Beispielen analysieren die Lernenden Ursachen moderner Konflikte und diskutieren globale Verantwortung.
Mafia, Triaden und organisierte Gewalt
Die Lernenden beschäftigen sich mit nichtstaatlichen Gewaltakteuren und deren Einfluss auf Gesellschaften.
Neues Testament
Die Materialien untersuchen Aussagen Jesu zu Feindesliebe, Gewaltverzicht und Frieden. Die Lernenden vergleichen diese Positionen mit aktuellen Konflikten.
Kreuzzüge und Kreuzzugskritik
An historischen Quellen analysieren die Lernenden religiöse Legitimationen von Gewalt und deren Kritik. Dies fördert die Auseinandersetzung mit Religion und Macht.
Carl von Clausewitz: Vom Kriege
Die Lernenden erschließen die klassische These vom Krieg als Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln und diskutieren deren Aktualität.
Wilhelm II. und Adolf Hitler
Historische Quellen zeigen politische und ideologische Kriegsbegründungen. Die Lernenden analysieren Propaganda, Nationalismus und Feindbilder.
Rosa Luxemburg
Die Texte eröffnen eine pazifistische und sozialkritische Perspektive auf Krieg und Militarismus.
Osama Bin Laden und George W. Bush
Die Lernenden vergleichen unterschiedliche Rechtfertigungen von Gewalt nach den Anschlägen vom 11. September. Dadurch wird die Komplexität moderner Konflikte sichtbar.
Ursachen von Aggression
Albert Bandura: Lerntheorie
Die Lernenden untersuchen, wie Aggression durch Vorbilder, Medien und soziale Belohnungen erlernt wird. Eigene Erfahrungen und Medienbeispiele können einbezogen werden.
Konrad Lorenz: Triebtheorie
Die Lernenden setzen sich mit der Frage auseinander, ob Aggression biologisch angelegt ist. Die Position wird mit anderen Erklärungsansätzen verglichen.
Aggression aus theologischer Sicht
Anhand der Kain und Abel Erzählung reflektieren die Lernenden religiöse Deutungen des Bösen, von Schuld und Gewalt. Gleichzeitig wird das Theodizeeproblem thematisiert.
Aggression aus Sicht der Hirnforschung
Die Lernenden analysieren neurowissenschaftliche Erklärungen für Gewalt und diskutieren deren Konsequenzen für Schuld, Verantwortung und Strafrecht.
Frustration und Aggression
Die Lernenden untersuchen Zusammenhänge zwischen Frustration, Benachteiligung und Gewalt. Eigene Alltagserfahrungen können reflektiert werden.
Täterprofile
Die Materialien zeigen psychologische Hintergründe bestimmter Gewaltformen. Im Unterricht werden Ursachen, Prävention und Schutzmöglichkeiten diskutiert.
Gewalt und Medien
Die Lernenden setzen sich kritisch mit der Wirkung von Gewalt in Film, Fernsehen und digitalen Medien auseinander. Die Katharsis und Inhibitionsthese bilden die Grundlage für kontroverse Diskussionen.
Ethische Argumente gegen Gewalt
Günther Anders
Die Lernenden analysieren philosophische Argumente gegen Gewalt und diskutieren deren Tragfähigkeit in Extremsituationen.
Jacques Derrida
Die Materialien ermöglichen eine differenzierte Reflexion über Terror, Krieg und die Rolle moderner Staaten.
Philosophische Stellungnahmen nach dem 11. September
Die Lernenden vergleichen unterschiedliche Reaktionen auf Terrorismus und entwickeln eigene ethische Urteile.
Guantanamo wie Hexenprozesse
Anhand dieses Beispiels diskutieren die Lernenden Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit und die Grenzen staatlicher Gewalt.
Gewaltfreie Alternativen
Albert Einstein: Für einen militanten Pazifismus
Die Lernenden setzen sich mit pazifistischen Positionen auseinander und prüfen deren Realisierbarkeit.
Sigmund Freud: Pazifismus durch Zivilisation
Die Lernenden diskutieren die Frage, ob kulturelle Entwicklung Gewalt überwinden kann.
Martin Luther King: Gewaltloser Widerstand
An konkreten Beispielen lernen die Lernenden Strategien gewaltfreien Handelns kennen und bewerten deren Wirksamkeit.
Mittel des gewaltfreien Widerstandes
Die Lernenden entwickeln Handlungsmöglichkeiten für Konflikte in Schule, Gesellschaft und Politik.
Kommunikation und Konfliktverhalten
Die Materialien führen in Kommunikationsmodelle, Metakommunikation und das Harvard Konzept ein. Die Lernenden trainieren konstruktive Konfliktlösungsstrategien durch Rollenspiele und Fallarbeit.
Erich Fried: Die Gewalt
Der literarische Text eignet sich als Abschlussreflexion über Gewalt, Verantwortung und Menschlichkeit. Die Lernenden interpretieren das Gedicht und beziehen Stellung zu dessen Aussagen.