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Portraits des Glaubens | Universität Fribourg

Karl Barth

Portraits des Glaubens # 4

Veröffentlichung:14.11.2020

Der unter dem Titel „Karl Barth – Die Aktualität eines Kirchenvaters des 20. Jahrhunderts“ verfasste Beitrag hat einen Umfang von etwa 28 Seiten Transkripttext beziehungsweise rund 28 Minuten Vortragsdauer. Der Autor stellt Leben, Werk und bleibende Bedeutung des reformierten Theologen Karl Barth vor und zeigt, warum sein Denken bis heute weltweit wirksam ist. Im Mittelpunkt stehen Barths Kritik an der Religion, seine Offenbarungstheologie, seine Christozentrik, seine Lehre von der Erwählung, sein Verständnis von Freiheit sowie seine Auseinandersetzung mit Säkularisierung und Gottesfrage. Der Fachartikel behandelt zentrale theologische Probleme wie die Möglichkeit der Gotteserkenntnis, das Verhältnis von Offenbarung und Religion, die Bedeutung Jesu Christi, die Prädestinationslehre, die Freiheit des Menschen, die Universalität der Gnade, die Rolle der Kirche in der modernen Gesellschaft sowie die Frage nach Gottes Gegenwart in einer säkularen Welt.

Matthias Zeindler stellt einen der wichtigsten Theologen des 20. Jahrhunderts vor: Karl Barth (1886 - 1968).

Barth gilt als der einflussreichste evangelische Theologe des 20. Jahrhunderts. Er war der Begründer der Dialektischen Theologie, Lehrer der Bekennenden Kirche, Anstifter zum evangelischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus, der Versöhner der Völker im Kalten Krieg, der die „Kirche zwischen Ost und West“ positionieren und zu einem entschlossenen blockübergreifenden Widerstand gegen die Aufrüstung ermutigen wollte, der zur Entmilitarisierung und damit zugleich zur Demokratisierung ganz Europas beitragen sollte.

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Der Beitrag untersucht die bleibende Aktualität Karl Barths, der als einer der bedeutendsten protestantischen Theologen des 20. Jahrhunderts gilt. Der Autor weist zunächst darauf hin, dass bei Gestalten wie Augustinus, Martin Luther, Thomas von Aquin oder Karl Barth die Frage nach ihrer Aktualität eigentlich zu kurz greift. Solche Denker sind nicht deshalb bedeutsam, weil sie aktuelle Probleme lösen, sondern weil sie Fragen sichtbar machen, die über ihre eigene Zeit hinausreichen. Karl Barth wird deshalb als eine Gestalt vorgestellt, deren theologisches Werk bis heute weltweit neu entdeckt wird und weit über den europäischen Kontext hinaus wirkt.

Ausführlich wird Barths biografischer Weg beschrieben. Nach seinem Theologiestudium wirkte er zunächst als Pfarrer in der Schweiz und engagierte sich stark für soziale Gerechtigkeit und die Anliegen der Arbeiterschaft. Dabei erkannte er früh, dass Theologie niemals von gesellschaftlichen und politischen Fragen getrennt werden kann. Eine tiefe Krise seines theologischen Denkens löste der Erste Weltkrieg aus. Barth erlebte, wie viele seiner angesehenen theologischen Lehrer die Kriegspolitik unterstützten. Für ihn wurde deutlich, dass eine Theologie, die sich zu eng mit politischen und kulturellen Interessen verbindet, ihre kritische Kraft verliert. Dies führte ihn zu einer grundlegenden Neuorientierung.

Auf der Suche nach neuen theologischen Grundlagen wandte sich Barth intensiv der Bibel zu, insbesondere den Briefen des Apostels Paulus. Das Ergebnis dieser Suche war sein berühmter Römerbriefkommentar, der als eines der wichtigsten theologischen Werke des 20. Jahrhunderts gilt. Dort entwickelt Barth seine grundlegende Kritik an der Religion. Religion erscheint ihm nicht als Weg zu Gott, sondern als menschlicher Versuch, Gott verfügbar zu machen und für eigene Zwecke zu benutzen. Religiöse Vorstellungen können deshalb ebenso Ausdruck menschlicher Selbsttäuschung sein wie politische Ideologien. Der Mensch schafft sich leicht einen Gott nach seinen eigenen Vorstellungen. Theologie muss daher ständig kritisch prüfen, ob sie wirklich von Gott spricht oder lediglich menschliche Wünsche religiös verkleidet.

Aus dieser Religionskritik entwickelt Barth seine Offenbarungstheologie. Gott bleibt für den Menschen grundsätzlich der ganz Andere. Menschen können Gott nicht aus eigener Kraft erkennen oder über ihn verfügen. Erkenntnis Gottes ist nur möglich, weil Gott selbst die Initiative ergreift und sich offenbart. Theologie hat deshalb die Aufgabe, auf Gottes Selbstoffenbarung zu hören und von ihr aus die Welt zu deuten. Der entscheidende Ort dieser Offenbarung ist Jesus Christus. In ihm zeigt Gott endgültig, wer er ist und wie er zum Menschen steht. Damit wird die gesamte Theologie radikal christologisch ausgerichtet. Jesus Christus wird zum Zentrum allen theologischen Denkens.

Diese christologische Konzentration erhielt besondere Bedeutung während der Zeit des Nationalsozialismus. Barth wurde zu einer der führenden Figuren der Bekennenden Kirche und war maßgeblich an der Barmer Theologischen Erklärung beteiligt. Gegen die Vereinnahmung der Kirche durch politische Ideologien betonte er, dass allein Jesus Christus das Wort Gottes sei, auf das die Kirche hören müsse. Weder politische Führer noch nationale Interessen dürfen an die Stelle Christi treten. Wegen seiner Weigerung, Adolf Hitler bedingungslos die Treue zu schwören, verlor Barth seine Professur in Deutschland und kehrte in die Schweiz zurück.

Den größten Teil seines Lebenswerks widmete Barth der Ausarbeitung seiner monumentalen Kirchlichen Dogmatik. Dieses Werk entfaltet die gesamte christliche Lehre konsequent von Jesus Christus her. Besonders ausführlich behandelt der Beitrag Barths Neuinterpretation der Erwählungslehre. Während die traditionelle Prädestinationslehre zwischen Erwählten und Verworfenen unterschied, versteht Barth die Erwählung als Ausdruck der universalen Gnade Gottes. Im Kreuz Jesu Christi zeigt sich Gottes endgültige Entscheidung für den Menschen. Gott verwirft nicht den Menschen, sondern nimmt die Verwerfung selbst auf sich. Die Erwählungslehre wird dadurch zur Botschaft von Gottes unerschütterlicher Treue und Liebe. Die Zukunft des Menschen steht unter dem Vorzeichen göttlicher Gnade.

Ein weiterer Schwerpunkt betrifft das Freiheitsverständnis. Barth lehnt die Vorstellung ab, Freiheit bedeute völlige Unabhängigkeit oder Selbstbestimmung ohne Bindungen. Wahre Freiheit wird von Gott geschenkt und verwirklicht sich in Gemeinschaft. Weil Gott selbst Freiheit in Liebe und Beziehung lebt, findet auch der Mensch seine Freiheit nicht gegen Gott, sondern in der Gemeinschaft mit Gott. Freiheit bedeutet deshalb Verantwortung, Beziehung und Orientierung am Guten. Der freieste Mensch ist für Barth Jesus Christus, dessen Freiheit sich gerade in seiner Hingabe an andere Menschen zeigt.

Abschließend setzt sich der Beitrag mit Barths Sicht auf die moderne Säkularisierung auseinander. Barth betrachtet Glauben und Unglauben nicht als einfache Gegensätze. Oft richten sich sowohl religiöse Menschen als auch Atheisten gegen dasselbe verzerrte Gottesbild. Der Gott der Bibel ist kein fernes höchstes Wesen, sondern der Gott, der in Jesus Christus solidarisch mit den Menschen wird und ihre Geschichte teilt. Deshalb beginnt die Auseinandersetzung mit dem Unglauben nicht bei der Verteidigung religiöser Institutionen, sondern bei der Frage nach dem wahren Gottesbild. Barth betont dabei die Universalität der göttlichen Gnade. Kein Mensch ist von Gottes Liebe ausgeschlossen. Daraus ergibt sich eine hoffnungsvolle Sicht auf die Gegenwart der Kirche in einer zunehmend säkularen Gesellschaft. Die Kirche muss Gott nicht retten, sondern darf darauf vertrauen, dass Gott selbst in der Welt handelt. Ihre Aufgabe besteht darin, diese gute Nachricht glaubwürdig zu verkünden und zu leben.

Für Religionslehrkräfte bietet der Beitrag wertvolle Anregungen für Unterrichtseinheiten zu Gottesbildern, Offenbarung, Christologie, Kirche im Nationalsozialismus, Freiheit, Gnade, Religion und Religionskritik sowie zur Rolle des Christentums in einer pluralen und säkularen Gesellschaft. Barths Denken fordert Lernende dazu heraus, zwischen religiösen Vorstellungen und dem biblischen Gottesbild zu unterscheiden und den Glauben konsequent von Jesus Christus her zu verstehen.

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