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Glaube & Gesellschaft im Gespräch | Universität Fribourg

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Hartmut Rosa - Allmacht und Ohnmacht

Veröffentlichung:22.1.2021

Das Video setzt sich mit der Frage auseinander, welche Folgen die moderne Tendenz hat, die Welt immer stärker verfügbar, kontrollierbar und beherrschbar zu machen. Ausgehend von den Errungenschaften von Wissenschaft, Technik, Medizin und Digitalisierung wird gezeigt, dass Menschen heute über ungeahnte Möglichkeiten verfügen, Natur, Gesellschaft und Alltag zu gestalten. Gleichzeitig macht das Video deutlich, dass diese Verfügbarmachung der Welt paradoxerweise neue Formen von Ohnmacht hervorbringen kann. An Beispielen wie der Atomenergie, digitalen Technologien oder politischen Steuerungsversuchen wird erläutert, wie Erfahrungen von Kontrolle plötzlich in Erfahrungen von Kontrollverlust umschlagen können. Demgegenüber entwickelt der Soziologe Hartmut Rosa seine Theorie der Resonanz. Lebendigkeit, Glück und gelingendes Leben entstehen demnach nicht durch vollständige Beherrschung der Welt, sondern durch die Begegnung mit dem Unverfügbaren. Menschen erfahren Sinn dort, wo sie sich von anderen Menschen, von Kunst, Musik, Natur oder religiösen Erfahrungen berühren und verwandeln lassen. Das Video lädt dazu ein, die Grenzen von Kontrolle anzuerkennen und Offenheit für das Unverfügbare als wesentlichen Bestandteil menschlichen Lebens zu verstehen.

Die Verfügbarmachung der Welt gibt dem Menschen die Illusion selbst Schöpfer zu sein. Die Verfügbarkeit der Atomkraft macht im Fall eines Unfalls die Welt unverfügbar. Durch die Täterschaft in der Welt steigt das ausmaß der Ohnmacht. Was vollständig verfügbar ist, ist tot, da es keine unerwarteten Möglichkeiten oder Antworten mehr bietet. Es ist nicht das andere, da wir es vollkommen besitzen. Etwas, das so besessen wird ist uninteressant und wir machen uns auf die suche nach etwas neuem.

Prof. Dr. Hartmut Rosa (geb. 1965) ist deutscher Soziologe und lehrt allgemeine und theoretische Soziologie an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. Er promovierte 1997 mit einer Arbeit über „Identität und kulturelle Praxis. Politische Philosophie nach Charles Taylor“. Mit seiner Arbeit über Beschleunigung, Resonanz und Unverfügbarkeit wurde er über den deutschen Sprachraum hinaus auch international bekannt.


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Das Video eignet sich besonders für den Religionsunterricht der Sekundarstufe II sowie für Unterrichtseinheiten zu Anthropologie, Sinnsuche, Technikethik, Glück, Freiheit, Moderne und Religionsphilosophie. Es eröffnet einen lebensnahen Zugang zu zentralen Fragen menschlicher Existenz und verbindet soziologische, philosophische und religiöse Perspektiven miteinander.

Als Einstieg kann die Lehrkraft die Lernenden auffordern, Situationen zu benennen, in denen sie Kontrolle über ihr Leben erleben, sowie Situationen, in denen sie sich ohnmächtig fühlen. Die Ergebnisse können auf einem Kontinuum zwischen Kontrolle und Unverfügbarkeit eingeordnet werden. Dadurch wird die zentrale Fragestellung des Videos vorbereitet: Führt mehr Kontrolle automatisch zu einem besseren Leben?

Während der Sichtung bietet sich ein Beobachtungsauftrag an. Die Lernenden sammeln Beispiele für Verfügbarmachung und die damit verbundenen Erfahrungen von Ohnmacht. Gleichzeitig dokumentieren sie Aussagen zur Resonanz und zu den Bedingungen eines gelingenden Lebens. Dadurch wird die Argumentationsstruktur des Videos nachvollziehbar.

In einer vertiefenden Gruppenarbeit können verschiedene Themenbereiche untersucht werden. Eine Gruppe analysiert die Chancen moderner Technik. Eine weitere untersucht die Schattenseiten von Kontrolle und Verfügbarmachung. Andere Gruppen beschäftigen sich mit dem Resonanzbegriff oder mit religiösen Erfahrungen des Unverfügbaren. Die Ergebnisse können anschließend in einer Diskussion oder einer Präsentation zusammengeführt werden.

Besonders ergiebig ist die Verbindung mit theologischen Fragestellungen. Die Lernenden können untersuchen, welche Rolle das Unverfügbare in religiösen Traditionen spielt. Dabei bieten sich Bezüge zu Gotteserfahrungen, Gebet, Vertrauen, Hoffnung oder zur biblischen Vorstellung des Menschen als Geschöpf an. Die Frage, ob sich Gott kontrollieren oder planen lässt, eröffnet einen spannenden Zugang zur Gottesfrage in der Gegenwart.

Methodisch eignet sich das Medium hervorragend für philosophische Gespräche. Die Lernenden können diskutieren, ob Glück durch Kontrolle entsteht oder ob gerade Ungewissheit und Offenheit wichtige Voraussetzungen für erfülltes Leben sind. Ebenso können sie reflektieren, warum Begegnungen mit Menschen, Musik, Kunst oder Natur oft als besonders bedeutsam erlebt werden. Die im Video vorgestellte Resonanztheorie bietet hierfür einen gut zugänglichen theoretischen Rahmen.

Darüber hinaus kann das Video mit aktuellen Entwicklungen im Bereich Künstliche Intelligenz, Digitalisierung und sozialer Medien verbunden werden. Die Lernenden reflektieren, ob technische Möglichkeiten tatsächlich zu mehr Freiheit führen oder ob sie zugleich neue Abhängigkeiten schaffen. Dadurch werden ethische Urteilskompetenz und kritische Reflexionsfähigkeit gefördert.

Für den Religionsunterricht ist besonders bedeutsam, dass das Video die Erfahrung des Unverfügbaren nicht als Defizit, sondern als Voraussetzung für Lebendigkeit beschreibt. Es eröffnet damit einen Zugang zu religiösen Vorstellungen von Vertrauen, Staunen und Offenheit gegenüber einer Wirklichkeit, die größer ist als menschliche Planung und Kontrolle. Die Lernenden werden angeregt, über die Grenzen menschlicher Machbarkeit nachzudenken und die Bedeutung von Beziehungen, Begegnungen und Resonanz für ein gelingendes Leben zu reflektieren.

Hessen

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Q3.5 Zukunft der Erde, Zukunft des Menschen und kirchliche Positionen.

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Rheinland-Pfalz

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