Didaktisch eignet sich das Medium besonders für den Religionsunterricht der Sekundarstufe sowie für fächerverbindenden Unterricht mit Politik, Geschichte oder Philosophie. Die Lernenden setzen sich mit Originaltexten aus politischen Debatten auseinander und lernen, unterschiedliche Argumentationsweisen zu analysieren und kritisch zu reflektieren. Dabei erwerben sie Kompetenzen im Bereich Urteilsbildung, Perspektivwechsel und demokratischer Diskussionskultur. Besonders wertvoll ist die Verbindung von theologischen, politischen und gesellschaftlichen Fragestellungen. Die Lernenden beschäftigen sich mit dem Spannungsverhältnis zwischen Religionsfreiheit, staatlicher Neutralität und religiöser Tradition. Methodisch bietet das Medium vielfältige Möglichkeiten für Diskussionen, Debatten, Rollenspiele oder arbeitsteilige Gruppenarbeit. Einzelne Redebeiträge können analysiert, verglichen und hinsichtlich ihrer Argumentationsstruktur untersucht werden. Ebenso eignet sich die Broschüre für Podiumsdiskussionen oder simulierte Parlamentsdebatten im Unterricht. Die Lernenden können eigene Positionen entwickeln und diese begründet vertreten. Besonders sinnvoll erscheint die Verbindung mit Grundgesetzarbeit, der Analyse von Verfassungspräambeln oder der Beschäftigung mit religiösen Symbolen im öffentlichen Raum. Die enthaltenen Reden fördern Sprachkompetenz und politische Bildung und ermöglichen zugleich eine intensive Reflexion über Werte, Verantwortung und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Durch die kontroversen Positionen lernen die Lernenden demokratische Streitkultur kennen und entwickeln Sensibilität für unterschiedliche Weltanschauungen. Das Medium unterstützt einen dialogischen Religionsunterricht, der Offenheit, Respekt und differenziertes Denken fördert.
In der ersten Rede wird die christliche Fundierung der Gesellschaft zur Zeit der Erstellung der Verfassung dargestellt. Es wird festgestellt, dass dies sich geändert hat und das folgerichtig alle Gottesbezüge zu streichen sind. Die Linke spendet reichlich Beifall.
Die CDU als christliche Partei hingegen verteidigt den Gesetzestext. Er sei durch Volksbegehren in den neuen Bundesländern in die Landesverfassungen geschrieben worden. Der Begriff Ehrfurcht steht für Toleranz und nicht für den Zwang zu glauben. Der Bezug zu Gott thematisiert zudem das eigene Gewissen. Neutralität des Staates sei ein Denkfehler, da die Feste aller Religionen geachtet und berücksichtigt werden müssen.
Die SPD thematisiert die Einigkeit der monotheistischen Religionen in der unterschiedlichen Anbetung desselben einen einzigen Gottes. Somit spricht der Verfassungstext auch Juden und Muslime an, nicht nur Christen. Zudem ist der antifaschistische Hintergrund der Erstellung der Verfassung auch heute noch aktuell. Es ist notwendig, in der Erziehung einen eigenen Standpunkt zu entwickeln. Diese können dann tolerant gelabt und verglichen werden. Nihilismus hingegen ist gerade in der Erziehung zur Selbstfindung und Persönlichkeitsentwicklung nicht zu tolerieren. Wer nicht lernt, eigene Entscheidungen zu treffen, kann kein Bürger eines demokratischen Staates sein. Der Staat ist auch entscheidungsfähige Bürger angewiesen.
Die Grünen behandeln den Begriff Ehrfurcht als nicht mit einem Missionsauftrag verbunden. Der geschichtliche Bezug macht es notwendig, ein Element in die Verfassung einzubauen, das von Menschen nicht abänderbar ist. Gerade der Faschismus nutzte clevere juristische Kniffe, um legal schwer anfechtbar die Demokratie zu beenden. Der Bezug auf das persönliche Gewissen gegenüber Gott soll einen solchen Vorgang bekämpfen. Die Toleranz und der staatsbürgerliche Zusammenhalt, der durch die Liebe zu Volk und Staat beschrieben wird, hat ebenso einen hohen Wert.
Die FDP begründet die Beibehaltung des Wortlautes mit der Religionsfreiheit. Eben diese wird durch den Text nicht geleugnet, sondern unterstützt. Ehrfurcht vor Gott bedingt Ehrfurcht vor allen Formen von ihn verehrenden Religionen. Gerade diese Freiheit zu glauben und Werte von Religionen zu schützen ist auch ein Bollwerk gegen Totalitarismus und Faschismus.
Die damalige Ministerin für Schule und Weiterbildung in NRW stellt die Unterstützung der Demokratie durch die Kirchen nicht zuletzt in der friedlichen Revolution n der DDR heraus. Der Gottesbezug stärkt somit die Demokratie, anstatt sie zu schwächen. Die Ehrfurcht vor Gott zwingt niemanden zum Glauben. Somit werden auch Atheisten nicht in ihren Rechten eingeschränkt. Keine Ehrfurcht hingegen öffnet Unterdrückung und Geringschätzung der Religionsfreiheit Tür und Tor. Das Wort Liebe wird heute nicht mehr gebraucht. Vielleicht ist dies auch ein Symptom für gesellschaftlichen Zerfall, wenn Menschen ohne familiäre Beziehung einander nicht mehr in Liebe zugetan sein können. Wer den anderen liebt, kann ihm nicht wissentlich schaden.
Solche Grundvoraussetzungen einer funktionierenden Gesellschaft liegen außerhalb der Regelbarkeit durch Gesetze: „Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann.“ Ein Gemeinsinn einer Gesellschaft aus Individuen ist notwendig für deren Erhalt.
Das Medium arbeitet mit unterschiedlichen Materialien, die politische Bildung, religiöse Reflexion und ethisches Lernen miteinander verbinden. Die Lernenden setzen sich anhand von Originaldokumenten aus dem Landtag Nordrhein Westfalen mit der Frage auseinander, warum Gott in der Verfassung genannt wird und welche Bedeutung religiöse Werte in einer demokratischen Gesellschaft besitzen. Durch die Arbeit mit Reden, Gesetzestexten und Stellungnahmen lernen die Lernenden unterschiedliche Sichtweisen kennen und entwickeln eigene Positionen zu Fragen von Religion, Staat und Demokratie.
Ein zentrales Material ist der vollständige Gesetzentwurf der Fraktion DIE LINKE. Die Lernenden lesen Auszüge aus dem Gesetzestext und vergleichen die vorgeschlagenen Änderungen mit der bisherigen Formulierung der Landesverfassung. Im Unterricht markieren sie Unterschiede, diskutieren die Gründe für die Änderung und setzen sich mit Begriffen wie Religionsfreiheit, Demokratie und Menschenwürde auseinander. Dadurch lernen die Lernenden politische Entscheidungsprozesse und die Bedeutung von Verfassungen kennen.
Besonders wichtig sind die dokumentierten Redebeiträge der verschiedenen Parteien im Landtag. Die Lernenden analysieren die Argumentationen von Vertreterinnen und Vertretern der Parteien DIE LINKE, CDU, SPD, GRÜNE und FDP. Dabei untersuchen sie sprachliche Mittel, unterschiedliche Wertvorstellungen und politische Positionen. Im Unterricht können die Lernenden einzelne Reden in Gruppen bearbeiten, Argumente sammeln und diese anschließend vergleichen oder diskutieren.
Die Broschüre enthält außerdem Auszüge aus der nordrhein westfälischen Landesverfassung. Die Lernenden arbeiten mit den Formulierungen zu „Ehrfurcht vor Gott“, „Würde des Menschen“, „Friedensgesinnung“ oder „Liebe zu Volk und Heimat“. Im Unterricht werden diese Begriffe erklärt, historisch eingeordnet und auf ihre Bedeutung für heutige Gesellschaften hin untersucht. Dadurch entsteht ein vertieftes Verständnis für Werte und Grundrechte.
Ein weiteres wichtiges Material sind die historischen Begründungen zur Entstehung der Verfassung nach dem Nationalsozialismus. Die Lernenden erfahren, warum nach 1945 bestimmte Werte ausdrücklich in Verfassungen aufgenommen wurden. Im Unterricht werden Zusammenhänge zwischen Geschichte, Demokratie und Menschenrechten hergestellt. Die Lernenden erkennen, wie historische Erfahrungen politische Entscheidungen beeinflussen.
Die zahlreichen Argumentationen zur Religionsfreiheit bilden ein weiteres Arbeitsmaterial. Die Lernenden setzen sich mit positiver und negativer Religionsfreiheit auseinander und diskutieren Fragen wie: Darf ein Staat religiöse Begriffe verwenden? Muss ein Staat weltanschaulich neutral sein? Welche Rolle spielen Religionen in einer pluralen Gesellschaft? Dadurch wird ethisches und philosophisches Denken gefördert.
Das Medium nutzt außerdem parlamentarische Debatten als Lernmaterial. Die Lernenden können Rollenspiele oder simulierte Landtagsdebatten durchführen. Dabei übernehmen sie unterschiedliche politische Rollen und vertreten verschiedene Positionen. Durch diese Methode lernen sie demokratische Gesprächskultur, Argumentation und Perspektivwechsel.
Die enthaltenen Stellungnahmen zur Bedeutung von Heimat, Volk, Integration und Zusammenleben dienen als Gesprächsanlass für gesellschaftliche Fragen. Die Lernenden diskutieren über Zugehörigkeit, Vielfalt, kulturelle Identität und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Dadurch werden aktuelle gesellschaftliche Themen mit dem Religionsunterricht verbunden.
Die Broschüre enthält außerdem didaktische Hinweise für Lehrkräfte. Diese geben Anregungen zur Unterrichtsplanung und zur methodischen Umsetzung der Themen. Lehrkräfte erhalten Ideen für Diskussionen, Gruppenarbeit und vertiefende Reflexionen. Dadurch kann das Material flexibel an unterschiedliche Lerngruppen angepasst werden.
Auch die Fotografien aus dem Landtag und die Gestaltung der Broschüre dienen als Material. Die Lernenden erhalten Einblicke in politische Räume und demokratische Institutionen. Die Bilder können genutzt werden, um über politische Verantwortung, demokratische Prozesse und öffentliche Debatten ins Gespräch zu kommen.