Das Thomas Evangelium wird auf seine Eigenschaft als Erzählevangelium, Spruchevangelium und biblisches Evangelium untersucht.
Das Medium eignet sich besonders für den Religionsunterricht der Sekundarstufe II innerhalb der Themenfelder „Bibelkunde“, „Entstehung des Christentums“, „außerbiblische Evangelien“ oder „Vielfalt frühchristlicher Glaubensvorstellungen“. Die Lernenden erhalten die Möglichkeit, das Thomasevangelium als historische Quelle kennenzulernen und mit den kanonischen Evangelien zu vergleichen. Besonders gewinnbringend ist die Arbeit an den Unterschieden zwischen Erzähl- und Spruchevangelien sowie die Frage, weshalb bestimmte Schriften in den biblischen Kanon aufgenommen wurden und andere nicht. Der Beispieltext aus Logion 3 bietet einen guten Zugang zur Diskussion über das Reich Gottes, Selbsterkenntnis und religiöse Wahrheit. Methodisch eignet sich das Material für textvergleichende Gruppenarbeiten, Stationenlernen oder die Analyse theologischer Aussagen. Lernende können beispielsweise Aussagen des Thomasevangeliums mit Parallelstellen aus den synoptischen Evangelien vergleichen und Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede herausarbeiten. Ebenso bieten sich Diskussionen über die Bedeutung innerer Erkenntnis und persönlicher Glaubensverantwortung an. Durch die Auseinandersetzung mit apokryphen Schriften lernen die Lernenden die Vielfalt frühchristlicher Traditionen kennen und reflektieren die Entstehung religiöser Autorität und theologischer Deutungen. Das Material fördert dabei historisches Lernen, hermeneutische Kompetenz sowie die Fähigkeit zur theologischen Urteilsbildung.