Wenn Leiden glorifiziert wird, können Menschen an Heilung gehindert werden und verbleiben in ihrem Leid. Die Frage, wo und wie spiritueller Missbrauch in der Kirche stattfindet, wird seit der Debatte um sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche heftig diskutiert. Es gibt spirituelle Verhaltensweisen und theologische Sprach- und Denkmuster, die Menschen abhängig und verletzbar machen. Am Dienstag, 29. Oktober, 19 Uhr, sprachen wir mit der Theologin und früheren Ordensfrau Doris Wagner über spirituelle Irrwege und Gefahrenzonen.
Das Video ist ein Gespräch mit Doris Reisinger über spirituellen Missbrauch in der katholischen Kirche. Im Mittelpunkt steht die Frage, was Spiritualität bedeutet und wie sie zur Quelle von Orientierung, Sinn und Selbstbestimmung werden kann. Reisinger beschreibt Spiritualität als grundlegende Dimension menschlichen Lebens, die über Religion hinausgeht. Sie erklärt, dass spiritueller Missbrauch dort beginnt, wo Menschen in ihrer inneren Freiheit, ihrem Gewissen, ihrem Denken und Fühlen manipuliert oder übergangen werden. Besonders kritisch wird angesprochen, wie religiöse Ideale wie Gehorsam, Leiden, Verzicht oder Kreuzesnachfolge missbraucht werden können, wenn sie nicht der Freiheit und Würde des Menschen dienen.