Das Medium eignet sich besonders für Lernende der Sekundarstufe, da es sowohl narrative Anschaulichkeit als auch existenzielle Fragestellungen miteinander verbindet. Ein möglicher Einstieg kann über die Redewendung Totgesagte leben länger erfolgen, die als Impuls dient, um über Erfahrungen von Ausgrenzung und Zuschreibung ins Gespräch zu kommen. Lernende können Beispiele sammeln, in denen Menschen vorschnell beurteilt oder abgeschrieben werden. Dadurch wird ein lebensweltlicher Zugang geschaffen.
Im weiteren Verlauf kann die biblische Erzählung erschlossen werden, indem zentrale Szenen analysiert und in ihrer Symbolik gedeutet werden. Besonders geeignet ist eine arbeitsteilige Gruppenphase, in der unterschiedliche Aspekte wie die Rolle Jesu, die Reaktion der Umstehenden oder die Bedeutung des Rufes an Lazarus untersucht werden. Kreative Methoden wie szenisches Spiel oder Standbilder ermöglichen es den Lernenden, die emotionale und existenzielle Dimension der Geschichte nachzuvollziehen.
Ein vertiefender Zugang kann über philosophische Impulse erfolgen, etwa durch die Auseinandersetzung mit Gedanken von Søren Kierkegaard zur Verzweiflung und Identität. Lernende reflektieren dabei, was es bedeutet, sich selbst zu finden oder sich fremd zu sein. Die Verbindung zur biblischen Erzählung liegt darin, dass das Angesprochenwerden durch Jesus als ein Moment der Selbstwerdung verstanden werden kann. Methodisch bietet sich hier ein reflektierendes Schreiben an, in dem Lernende eigene Erfahrungen von Unsicherheit, Neuanfang oder Anerkennung formulieren.
Abschließend kann die Frage diskutiert werden, inwiefern die Auferweckung des Lazarus nicht nur als Wundererzählung, sondern als Ermutigung zum Leben im Hier und Jetzt verstanden werden kann. Ziel ist es, dass Lernende erkennen, wie religiöse Texte Deutungsangebote für existenzielle Fragen bieten und zu einem verantwortlichen und solidarischen Handeln anregen.