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Die Familie ist deutlich besser als ihr Ruf

Veröffentlichung:1.7.2011

Der Fachartikel „Die Familie ist deutlich besser als ihr Ruf“ von Hubertus Brantzen ist im Heft ru heute 03 2011 erschienen und umfasst die Seiten 6 bis 8. Der Autor setzt sich mit dem verbreiteten negativen Bild von Ehe und Familie auseinander und stellt diesem empirische Ergebnisse aus dem Generationenbarometer entgegen. Theologisch behandelt der Artikel Fragen nach dem Menschenbild, nach der Bedeutung von Ehe und Familie als Ort von Sinn, Liebe und Verantwortung sowie nach dem Zusammenhang von religiöser Erziehung und familiärem Zusammenhalt. Zudem reflektiert er die Rolle der Kirche im gesellschaftlichen Diskurs über Familie.

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Hubertus Brantzen beschreibt zu Beginn, dass Ehe und Familie in der öffentlichen Diskussion häufig als Krisenfall erscheinen. Umfragen zu Geburtenraten, Scheidungen, Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie Berichte über Gewalt oder Überforderung erzeugen den Eindruck, die Familie sei ein Patient, der staatlicher Rettung bedarf. Besonders die demografische Entwicklung wird als Katastrophe dargestellt. Kinder werden dabei oft funktional als zukünftige Rentenzahler oder als Humankapital betrachtet. Dieses Klima führe zu Verunsicherung und lasse Familie als belastendes Lebensmodell erscheinen.

Der siebte Familienbericht der Bundesregierung unter Ursula von der Leyen betont zwar die Bedeutung der Familie für die Zukunft des Landes, verknüpft dies jedoch mit dem Ziel, mehr Kinder zu bekommen und bessere Rahmenbedingungen zu schaffen. In Politik und Öffentlichkeit dominiert die Vorstellung, dass das Problem vor allem in der mangelnden Vereinbarkeit von Familie und Beruf liege. Daher werden Ganztagsbetreuung und andere strukturelle Maßnahmen ausgebaut. Brantzen kritisiert jedoch, dass dabei häufig wirtschaftliche Interessen im Vordergrund stehen und nicht das Wohl der Kinder oder die Freude am Familienleben. Zudem zeige der achte Familienbericht, dass trotz veränderter Rahmenbedingungen viele Eltern unter Zeitdruck leiden.

Der Autor räumt ein, dass zahlreiche Familien auf Unterstützung angewiesen sind, etwa Alleinerziehende oder Familien mit geringem Einkommen. Dennoch sei es eine Selbsttäuschung zu glauben, allein durch äußere Bedingungen lasse sich die Geburtenrate steigern oder die Attraktivität der Familie erhöhen. Familie lebe nicht primär von finanziellen Anreizen, sondern von inneren Haltungen, von Beziehungsfähigkeit, Lebensfreude, Liebe und der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Sie sei im besten Fall ein Ort der Sinnstiftung und des Lebensglücks.

Einen neuen Blick eröffnet das Generationenbarometer 2006 und 2009, herausgegeben vom Forum Familie stark machen und durchgeführt vom Institut für Demoskopie Allensbach. Die Studien zeigen, dass junge Familien mit kleinen Kindern sich selbst als die glücklichste Gruppe der Gesellschaft bezeichnen. Die große Mehrheit der Befragten erlebt die eigene Familie als Quelle von Glück, Vertrauen und Geborgenheit. Viele beschreiben Familie als Ort der Verlässlichkeit, Unterstützung und gegenseitigen Liebe. Auch über Generationen hinweg besteht ein starker Zusammenhalt, der sich in emotionaler, praktischer und finanzieller Hilfe ausdrückt.

Gleichzeitig zeigt sich eine Diskrepanz zwischen persönlicher Erfahrung und gesellschaftlicher Wahrnehmung. Während die meisten ihre eigene Familie positiv bewerten, glauben viele, dass Familien insgesamt in einer Krise seien. Brantzen spricht von einer Wahrnehmungstrübung. Die Lage der Familie sei besser als ihr öffentlicher Ruf.

Ein weiterer Schwerpunkt ist der Zusammenhang zwischen religiöser Erziehung und familiärem Zusammenhalt. Das Generationenbarometer 2009 zeigt, dass Jugendliche aus religiös geprägten Familien häufiger von Verlässlichkeit, Aufmerksamkeit, Liebe und einer glücklichen Kindheit berichten. Obwohl religiöse Bindungen insgesamt abgenommen haben, deutet sich an, dass religiöse Sozialisation positive Effekte auf den inneren Zusammenhalt und das Gelingen von Erziehung haben kann.

Abschließend formuliert Brantzen Perspektiven für das kirchliche Engagement. Kirche solle nicht in das allgemeine Krisengerede einstimmen, sondern differenziert analysieren und dort eingreifen, wo Familien tatsächlich benachteiligt werden. Sie solle die Leistungen von Familien anerkennen und öffentlich wertschätzen. Außerdem könne sie Räume schaffen, in denen Familien ihre positiven Erfahrungen teilen. Besonders wichtig sei es, Eltern in ihrer Erziehungskompetenz zu stärken und den Zusammenhang von Glauben und gelingendem Familienleben bewusst zu machen. Familie sei trotz aller Belastungen eine der wichtigsten Quellen von Lebensfreude und Glück und verdiene daher eine sachliche und ermutigende Betrachtung.

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