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Neugierig Natur entdecken

Über das Nature-Journaling leise Zugänge zu ökologischer Spiritualität anbahnen

Veröffentlichung:1.1.2026

Der Fachartikel wurde von Christoph Kilian, Studienleiter im AKD, unter dem Titel „Neugierig Natur entdecken. Über das Nature Journaling leise Zugänge zu ökologischer Spiritualität anbahnen“ verfasst. Der Artikel umfasst drei Seiten, die Seiten 13 bis 15 der Zeitschrift zeitsprung 1/2026.

Der Artikel zeigt, wie Lernende durch Nature Journaling Natur aufmerksam, sinnlich und neugierig wahrnehmen und dadurch eine Beziehung zu Pflanzen, Tieren und ihrer Umwelt entwickeln können. Diese Naturerfahrung wird religionspädagogisch mit ökologischer Spiritualität und der Bewahrung der Schöpfung verbunden. Dabei betont Kilian, dass religiöse und spirituelle Erfahrungen nicht vollständig planbar oder überprüfbar sind. 

Theologisch behandelt der Fachartikel vor allem das Verhältnis von Mensch, Gott und Natur, die Verbundenheit allen Lebens, die Bewahrung der Schöpfung und die Frage nach der Gegenwart Gottes in der Natur. Besonders bedeutsam ist die Frage, ob Gott in der Welt und in der Natur erfahren werden kann. Dazu wird ein panentheistisches Gottesverständnis thematisiert. Außerdem geht es um die ethische Frage, welche Verantwortung Menschen gegenüber der Natur tragen und ob der Natur sogar eigene Rechte zugesprochen werden können.

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Christoph Kilian beginnt seinen Artikel mit einem Gedanken von Andrea Richter zur franziskanischen Spiritualität. Im schweigenden Aufenthalt in der Natur können Menschen mit Tieren und Pflanzen als Mitgeschöpfen in Beziehung treten. Naturverbundenheit soll dabei nicht nur gedanklich verstanden, sondern unmittelbar erfahren werden. Daraus entwickelt Kilian eine religionspädagogische Aufgabe. Lernende sollen Gelegenheiten erhalten, die Verbundenheit allen Lebens selbst wahrzunehmen. Eine solche Erfahrung kann nicht einfach hergestellt und anschließend als erworbene Kompetenz überprüft werden. Kilian sieht hier eine Grenze der Kompetenzorientierung. Spirituelle Erfahrungen besitzen für ihn ein Moment der Unverfügbarkeit. Religionsunterricht kann solche Erfahrungen lediglich behutsam anbahnen und Räume für sie eröffnen. Gleichzeitig kann dieser Zugang dazu beitragen, die Bewahrung der Schöpfung vertieft zu verstehen. 

Als konkrete Methode stellt Kilian das Nature Journaling vor. Er bezieht sich dabei auf die Künstlerin und Wildnispädagogin Verena Hillgärtner. Beim Nature Journaling wird die Natur aufmerksam beobachtet und in einem Naturtagebuch dokumentiert. Zeichnungen von Pflanzen und Tieren werden mit Beobachtungen, Fragen, Gedanken und persönlichen Assoziationen verbunden. Entscheidend ist nicht die künstlerische Qualität der Zeichnung, sondern der fortlaufende Prozess des Entdeckens. Für die Religionspädagogik sind besonders Dankbarkeit, Staunen, Achtsamkeit, Beziehungsaufbau und Naturverbundenheit bedeutsam. Diese Haltungen bilden nach Kilian wichtige Grundlagen einer ökologischen Spiritualität.

Im Mittelpunkt einer Seite des Nature Journals kann beispielsweise eine Pflanze stehen. Die Lernenden beobachten sie und ergänzen ihre Zeichnung durch eigene Fragen und Assoziationen. Auch Tiere, Bäume oder Steine können Gegenstand der Betrachtung sein. Für den Einstieg empfiehlt der Autor Pflanzen, weil sie ein überschaubares Gegenüber darstellen. Die Methode benötigt nur wenige Materialien wie Papier, Stifte, ein Klemmbrett und gegebenenfalls eine Lupe. Entscheidend ist die Neugier bei einer behutsamen Erkundung der Natur.

Kilian beschreibt anschließend eine konkrete methodische Vorgehensweise. Zunächst werden Informationen wie Datum, Ort, Zeit und Wetter festgehalten. Danach betrachten die Lernenden eine Pflanze und zeichnen zunächst ihre Konturen. Anschließend wird die Wahrnehmung auf unterschiedliche Sinne ausgeweitet. Die Lernenden achten darauf, was sie sehen, hören, fühlen und riechen. Danach formulieren sie Fragen. Diese Fragen müssen nicht unbedingt beantwortet werden. Gerade die Erfahrung, dass Fragen offenbleiben und Ungewissheit ausgehalten werden muss, gehört für Kilian zum Lernprozess.

Danach wird die Pflanze detaillierter gezeichnet. Die Lernenden können ihre Farben dokumentieren und naturwissenschaftliche Beobachtungen wie Größe, Anzahl der Blätter oder andere Merkmale festhalten. Abschließend wird eine kreative Überschrift für die gestaltete Seite gesucht. Auf diese Weise verbindet Nature Journaling künstlerische, naturwissenschaftliche, sprachliche und persönliche Zugänge zur Natur. Die verschiedenen Wahrnehmungsebenen können zusätzlich mit Symbolen gekennzeichnet werden. Ein Ausrufezeichen steht beispielsweise für Beobachtungen, ein Fragezeichen für offene Fragen, ein Stern für Assoziationen und ein Herz für Gefühle, Erinnerungen oder persönliche Geschichten.

Der Artikel nennt weitere Möglichkeiten, um vertraute Wahrnehmungsmuster zu unterbrechen. Die Natur kann aus ungewohnten Perspektiven betrachtet werden, etwa im Liegen oder kopfüber. Auch das Zeichnen mit der ungewohnten Hand oder das Verfassen kurzer lyrischer Texte kann neue Wahrnehmungen ermöglichen. Entscheidend ist dabei, dass die Lernenden langsamer und aufmerksamer beobachten und sich intensiver auf ihre natürliche Umgebung einlassen. Nature Journaling ist nicht auf ländliche Gebiete beschränkt. Auch Parks und andere städtische Orte mit Pflanzen und Bäumen können genutzt werden.

Für eine intensivere Beschäftigung mit ökologischer Spiritualität schlägt Kilian eine Exkursion zur Weidenkirche auf der Bäkewiese in Berlin Wannsee vor. Diese von Kindern und Jugendlichen errichtete grüne Kirche besitzt unter anderem einen Wurzelaltar und ein lebendes Kreuz. Sie verbindet Naturerfahrung mit einem kirchlichen Raum und eröffnet dadurch zusätzliche religionspädagogische Zugänge.

Im letzten Teil des Artikels stellt Kilian die Unterrichtseinheit „Ab in die Natur! Spiritualität entdecken.“ vor. Sie folgt den drei Schritten Erkennen, Begreifen und Handeln. Zunächst erkunden die Lernenden einen Ort in der Natur und wählen Naturgegenstände aus, zu denen sie Beobachtungen und Assoziationen formulieren. Diese Wahrnehmungen werden mit spirituellen Texten verbunden und in einem Portfolio dokumentiert. Anschließend vertiefen verschiedene Aufgaben, Nature Journaling und Storytelling die Auseinandersetzung.

Eine besonders wichtige theologische Vertiefung erfolgt durch die Frage: „Wenn Gott hier wäre, wo wäre Gott dann?“ Die Lernenden werden damit zum eigenen Theologisieren angeregt. Im Sinne eines Gedankenexperiments können sie ein panentheistisches Gottesverständnis reflektieren. Dabei wird darüber nachgedacht, wie Gott in Beziehung zur Welt und zur Natur verstanden werden kann. Anschließend gestalten die Lernenden Erlebnisplätze und einen gemeinsamen Erlebnispfad. 

Zum Abschluss wird die zunächst lokale Naturerfahrung auf eine globale Ebene erweitert. Spirituelle Texte aus verschiedenen kulturellen und religiösen Traditionen werden auf einer Weltkarte verortet. Dadurch können Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Wahrnehmung der Natur thematisiert werden. Die Lernenden reflektieren schließlich ihre Beziehung zu anderen Menschen, zur Erde und zur Natur. Ökologische Spiritualität wird damit mit globalem Lernen und ethischer Verantwortung verbunden.

Der Artikel verweist außerdem auf die Frage nach eigenen Rechten der Natur. Am Beispiel von Flüssen kann im Religionsunterricht diskutiert werden, ob Natur lediglich Gegenstand menschlichen Schutzes ist oder selbst als Rechtssubjekt verstanden werden kann. Kilian nennt dabei konkrete Initiativen, die Flüssen eigene Rechte zusprechen möchten. Damit erweitert sich die ökologische Spiritualität um eine gesellschaftliche und ethische Perspektive.

Insgesamt versteht Kilian Nature Journaling als einen behutsamen Weg, um Lernende für Natur, Schöpfung und Spiritualität zu sensibilisieren. Im Zentrum steht nicht die Vermittlung einer festgelegten religiösen Erfahrung. Vielmehr schafft Religionsunterricht Erfahrungsräume, in denen Lernende staunen, wahrnehmen, Fragen stellen, Ungewissheit aushalten und ihre Beziehung zu Natur, Mitgeschöpfen, Erde und Gott selbstständig reflektieren können.

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28.9.2026

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