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Lernen als Weg in die Stille

Veröffentlichung:1.1.2026

Der Fachartikel wurde von Dr. Margit Herfarth, Studienleiterin im AKD, unter dem Titel „Lernen als Weg in die Stille: Stille Übungen in den Lehrerhandbüchern von Hubertus Halbfas“ verfasst. Der Artikel umfasst zwei Seiten, die Seiten 18 und 19 der Zeitschrift zeitsprung 1/2026.

Der Beitrag stellt das religionspädagogische Konzept von Hubertus Halbfas vor und zeigt, welche zentrale Bedeutung Stille für religiöse Bildung besitzt. Stille wird nicht als bloße Ruhe verstanden, sondern als pädagogische Haltung, die Sammlung, Aufmerksamkeit, Wahrnehmung und spirituelle Sensibilisierung ermöglicht. Die theologischen und religionspädagogischen Probleme des Artikels betreffen vor allem die Frage, wie religiöse Erfahrungen in der Schule ermöglicht werden können, ohne Religionsunterricht mit Therapie oder Meditation gleichzusetzen. Außerdem geht es um die Bedeutung von Symbolen, Sprache und spiritueller Wahrnehmung sowie um die Frage, wie Religionsunterricht angesichts von Beschleunigung und Reizüberflutung zu einer bewussten Menschwerdung beitragen kann.

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Margit Herfarth beschäftigt sich in ihrem Artikel mit den zehn Lehrerhandbüchern des katholischen Religionspädagogen Hubertus Halbfas. Obwohl diese Bücher heute äußerlich und didaktisch teilweise wie Zeugnisse einer vergangenen Bildungswelt wirken und nur noch selten verwendet werden, betrachtet Herfarth sie weiterhin als wertvolle Quelle für den Religionsunterricht. Sie hebt besonders die große thematische Breite des Werkes hervor. Hubertus Halbfas habe mit seinen Schulbüchern, Lehrerhandbüchern und religionspädagogischen Veröffentlichungen sowohl die katholische als auch die evangelische Religionspädagogik beeinflusst. Sein Ansatz verbindet narratives Lernen und Symboldidaktik miteinander.

Ein zentrales Merkmal seines Religionsunterrichts besteht darin, Texte, Gegenstände und Themen nicht vorschnell zu behandeln und anschließend als erledigt zu betrachten. Guter Religionsunterricht benötigt nach Halbfas vielmehr Verlangsamung und ein bewusstes Verweilen bei seinen Gegenständen. Inhalte sollen nicht nur danach beurteilt werden, welchen unmittelbaren Nutzen sie besitzen. Sie sollen zunächst um ihrer selbst willen wahrgenommen und gewürdigt werden. Dazu gehören ein sensibler Umgang mit Sprache und eine besondere Aufmerksamkeit für die Räume, in denen Lernen stattfindet.

Diese Form der Aufmerksamkeit muss nach Herfarth immer wieder neu eingeübt werden. Das gilt besonders angesichts einer Lebenswelt, die durch Beschleunigung und Zerstreuung geprägt ist. In den Lehrerhandbüchern von Halbfas erkennt Herfarth deshalb ein durchgängiges Curriculum der Stille. Stille ist nicht als einzelne Unterrichtsmethode gedacht, die gelegentlich eingesetzt wird. Vielmehr handelt es sich um eine Haltung, die Lehrkräfte und Lernende über einen längeren Zeitraum entwickeln sollen. Halbfas geht dabei davon aus, dass gerade der Religionsunterricht in besonderer Weise auf Stille angewiesen ist. Er orientiert sich unter anderem an Maria Montessori und ihrer Übung der Stille. Bereits im ersten Band seiner Lehrerhandbücher werden konkrete Übungen vorgestellt, die in unterschiedlichen Altersgruppen eingesetzt werden können. 

Die folgenden Bände entwickeln diese Grundidee weiter. Der zweite Band enthält eine kleine Didaktik der Stilleübung. Dabei spielen die Freiwilligkeit der Teilnahme und die Haltung der Lehrkraft eine wichtige Rolle. Auch Märchen werden als Ausgangspunkt für Übungen verwendet. Im dritten Band stehen Erfahrungen aus verschiedenen Schulformen und die konzentrierende Kraft der Mitte im Mittelpunkt. Dafür werden beispielsweise Naturgegenstände wie Gänseblümchen, Baumscheiben oder Schneckenhäuser sowie Mandalas verwendet. Die auf Seite 19 abgebildeten Naturgegenstände und das Labyrinth veranschaulichen diesen symbolorientierten Zugang zur Mitte und zur konzentrierten Wahrnehmung. 

Weitere Bände erweitern das Konzept um körperliche und bildliche Zugänge. Im vierten Band werden Stille und Bewegung miteinander verbunden. Tanzen, bewusstes Gehen und achtsames Schreiten können ebenfalls Wege in die Stille eröffnen. Im siebten Band wird die Symbolarbeit mit dem Labyrinth weitergeführt. Der achte Band beschäftigt sich mit Bildern und der Frage, wie Menschen in einer stark von visuellen Reizen geprägten Lebenswelt einen inneren Bildsinn entwickeln können. Damit ist eine Form des inneren Sehens gemeint, die äußere Wahrnehmungen begleitet und vertieft. 

Im zehnten Band zieht Halbfas schließlich ein Resümee seiner Übungen der Stille in einer ruhelosen Schule. Religionsunterricht soll seiner Auffassung nach einen Beitrag zur Humanisierung von Schule leisten. Bildung darf sich deshalb nicht auf die Vermittlung von Wissen und Unterrichtsstoff beschränken. Lernende benötigen auch Räume, in denen erfahrungsorientiertes und handlungsorientiertes Lernen sowie spirituelle Sensibilisierung möglich werden.

Dabei setzt Halbfas klare Grenzen für den schulischen Umgang mit Stille. Stilleübungen sollen freiwillig, einfach, alltagsnah und regelmäßig sein. Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen schulischer Bildung und therapeutischer oder religiöser Praxis. Schule ist weder ein Therapieraum noch ein Meditationsraum. Stilleübungen können Lernende auf Erfahrungen von Meditation vorbereiten und ihre Wahrnehmungsfähigkeit fördern, sie sind im schulischen Zusammenhang jedoch keine Meditation im eigentlichen Sinne. Diese Abgrenzung ist für die religionspädagogische Verwendung der Übungen besonders wichtig. 

Herfarth kommt deshalb zu dem Ergebnis, dass die Lehrerhandbücher von Hubertus Halbfas trotz ihres Alters weiterhin religionspädagogisch relevant sind. Gerade eine Schule, die von Beschleunigung, Verdichtung und permanenter Reizüberflutung geprägt ist, benötigt Räume der Sammlung, Aufmerksamkeit und Stille. Bildung bedeutet aus dieser Perspektive mehr als Stoffvermittlung. Stille wird zu einem Bildungsweg, auf dem Lernende Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, innere Sammlung und spirituelle Sensibilität entwickeln können. Das übergeordnete Bildungsziel beschreibt der Artikel in Anlehnung an Halbfas als bewusste Menschwerdung.

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