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Deutsche Bischofskonferenz

Deutsche Bischofskonferenz

Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz zur Debatte um den Wehrdienst

Pressemitteilung Nr. 167a der Deutschen Bischofskonferenz, 13. Oktober 2025

Veröffentlichung:13.10.2025

Die Deutsche Bischofskonferenz positioniert sich zur Debatte um Wehrdienst und Wehrpflicht: Freiwilligkeit geht vor Pflicht, das Recht auf Kriegsdienstverweigerung muss uneingeschränkt erhalten bleiben, und junge Menschen sind ernsthaft in die gesellschaftliche Diskussion einzubeziehen.


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Die Pressemitteilung Nr. 167a der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) vom 13. Oktober 2025 ist eine umfassende Stellungnahme zur politischen Debatte über Wehrdienst, Wehrpflicht und Freiwilligendienste in Deutschland. Sie verbindet sicherheitspolitischen Realismus mit friedensethischer Reflexion – und bietet damit für den Religionsunterricht der Sekundarstufe wertvolles Material zu den Themen Gewissen, Frieden und gesellschaftliche Verantwortung.

Ausgangspunkt ist die veränderte sicherheitspolitische Lage: Seit dem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine und besonders seit der Vollinvasion 2022 sieht Deutschland sich mit neuen Bedrohungsszenarien konfrontiert. Die Bundeswehr operiert nach Einschätzung der Bischöfe an ihrem personellen und materiellen Limit; bisherige Rekrutierungswege reichen nicht aus. Die DBK begrüßt die gesellschaftliche Debatte über mögliche Antworten – mahnt aber zugleich, den Diskurs nicht auf rein militärische Aspekte zu verengen. Sicherheitspolitik müsse immer auch politische, ökonomische und sozialpsychologische Dimensionen umfassen und langfristig auf Frieden ausgerichtet sein.

Aus friedensethischer Perspektive – jüngst entfaltet im bischöflichen Friedenswort Friede diesem Haus – erkennt die DBK an, dass militärische Verteidigungsfähigkeit unter bestimmten Bedingungen (Verhältnismäßigkeit, Friedensorientierung) legitim ist. Gleichzeitig betont sie klar: Freiwilligkeit geht vor Verpflichtung. Pflichtdienste – insbesondere der Wehrdienst – sind schwere Eingriffe in persönliche Freiheitsrechte und müssen in besonderer Weise begründet werden. Als Orientierung empfiehlt die DBK das schwedische Modell, wie es der Regierungsentwurf grundsätzlich vorsieht: Zunächst sollen freiwillig Wehrdienstleistende gewonnen werden; nur wenn dies scheitert, kann die Wehrpflicht reaktiviert werden – verbunden mit klaren Kriterien für Wehrgerechtigkeit und gesellschaftliche Akzeptanz. Die Frage einer geschlechtergerechten Ausgestaltung einer möglichen Wehrpflicht bezeichnet die DBK als rechtlich, ethisch und gesellschaftlich dringend klärungsbedürftig.

Ein zentrales Anliegen der Erklärung ist der Schutz des Rechts auf Kriegsdienstverweigerung. Auch in einem möglichen Spannungs- oder Verteidigungsfall darf dieses Grundrecht nicht ausgehöhlt werden. Entsprechende Ersatzdienststrukturen – insbesondere die bewährten zivilgesellschaftlichen Freiwilligendienste – sind zu erhalten und zu stärken.

Besonders bedeutsam für den Religionsunterricht ist die Perspektive auf junge Menschen: Die DBK kritisiert ausdrücklich, dass deren Situation, Bedürfnisse und Fragen in der bisherigen Debatte kaum vorkommen. Seit der Aussetzung der Wehrpflicht 2011 gehört die persönliche Auseinandersetzung mit Wehrdienst und Kriegsdienstverweigerung nicht mehr zur biographischen Normalität junger Generationen. Prägend sind stattdessen Pandemieerfahrung und Klimakrise – Erlebnisse, die sowohl zu zivilgesellschaftlichem Engagement als auch zu Resignation führen können. Fragen der Generationengerechtigkeit – wer trägt die Lasten für Rente, Klimafolgen und Verteidigung? – erhalten dadurch neue Dringlichkeit. Die Bischöfe fordern einen echten, dialogischen Einbezug junger Menschen in die Debatte über gesellschaftliche Dienste und deren Rahmenbedingungen.

Abschließend mahnt die DBK, die Debatte mit politischer Kultur und gegenseitigem Respekt zu führen: „Nicht zuletzt an der Art und Weise, wie die Debatte geführt wird, zeigt sich der Zustand unserer politischen Kultur." Die Erklärung eignet sich für den Religionsunterricht als Einstieg in Diskussionen über Gewissensfreiheit, Friedensethik, staatliche Pflichten und die Frage, was demokratische Gesellschaften von ihren Bürgerinnen und Bürgern verlangen dürfen.

Text

urheberrechtlich geschützt

18.5.2026

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