Die Religionspädagogik hat sich erst im 20. Jahrhundert als eigenständige Disziplin etabliert und konnte sich in ihrer modernen, interdisziplinären Form erst in den 1970er Jahren durchsetzen. Sie wird heute als Handlungswissenschaft verstanden, die religiöse Bildungs- und Lernprozesse in Kirche, Schule und Gesellschaft theoretisch erfasst und praktisch orientiert. Der Artikel erläutert zwei klassische wissenschaftstheoretische Positionen: Der logische Empirismus nach Carnap verfolgt einen induktiven Ansatz, bei dem sich Theorien aus Beobachtungen entwickeln, während Karl Poppers kritischer Rationalismus deduktiv vorgeht und Falsifizierbarkeit als Kriterium wissenschaftlicher Aussagen fordert. In der religionspädagogischen Forschung entsprechen qualitative Ansätze dem empiristischen Ideal, während entwicklungspsychologische Modelle dem Popperschen Falsifikationsprinzip folgen. Die Religionspädagogik entwickelt Theorien von und für Praxis: Sie beschreibt religiöse Bildungsprozesse differenziert, erklärt sie, prognostiziert Entwicklungen, beeinflusst sie zielorientiert und evaluiert sie kritisch. Das Ist-Soll-Transformationsmodell zeigt, wie wissenschaftliche Erkenntnisse zur Verbesserung der Praxis beitragen. Um Instrumentalisierung zu vermeiden, wird die normativ-evaluative Dimension religionspädagogischer Theorie betont, die sich auf theologische Erkenntnisquellen stützt. Das Beispiel der Theorie des religiösen Urteils verdeutlicht, wie religionspädagogische Theorien praktische Orientierung bieten und zugleich theoretische Rigorosität wahren.