Stefan Scholz analysiert die Wegmetapher als zentrale biblische und didaktische Kategorie. Das Lemma 'Weg' zeigt in der Lutherkonkordanz eine enorme biblische Häufigkeit und wird im Alten Testament etwa 700-mal verwendet, im Neuen Testament etwa 100-mal. Im Alten Testament dominieren übertragene Bedeutungen: Der Weg bezeichnet nicht nur eine konkrete Streckendistanz, sondern auch Lebensweg, Lebenswandel und die Gebote Gottes. Zentral ist die Vorstellung der Weg-Religion, wonach JHWH den Menschen schützend auf seinem Weg begleitet, exemplarisch in den Abraham- und Mosegeschichten. Der Glaube wird als Weg in die Ungewissheit dargestellt, der durch Gottes Verheißung und Weisung geleitet wird. Im Neuen Testament fungiert die Wegmetapher als Bezeichnung für den Glauben selbst (vgl. Apg 9,2; 19,9). Die Wegmetapher ist exzentrisch angelegt und zieht nach außen, verbindet sich aber auch mit inneren Reflexionsprozessen. In der Gegenwart erfährt die Wegmetapher durch Digitalisierung eine Transformation zu hyperlinearen Navigationswegen im Internet, was neue Fragen von Orientierung, Autonomie und Filterblaseneeffekten aufwirft. Für die Religionspädagogik erweist sich die Wegmetapher als geeignet, um Schülern Fragen von Lebenspraxis, Entscheidungsfindung und existenzieller Orientierung zu vermitteln.