Der Artikel untersucht buddhistisch geprägte Wallfahrten in Japan als kulturhistorisches Phänomen. Der Buddhismus wurde vor etwa 1500 Jahren von Korea nach Japan importiert und wurde zur Staatsreligion im frühen japanischen Kaiserreich. Die lokalen Religionen wurden später unter dem Begriff Shintō vereinheitlicht und mit dem Buddhismus in eine komplementäre Beziehung gebracht. Der Autor argumentiert, dass der europäische Begriff von Religion als exklusiver Tradition in Japan nicht angemessen ist, da dort traditionell Shintō, Buddhismus und Konfuzianismus als sankyō (drei Lehren) miteinander verflochten waren. Erst in der Edo-Zeit (1603-1868) wurde Wallfahren durch die Entwicklung einer Mittelklasse zur Massenpraktik. Da Reisen zu den originalen buddhistischen Heiligtümern in Indien und China in der Vormoderne unmöglich waren, entwickelte sich in Japan eine eigenständige Wallfahrtskultur mit spezifischen Orten und Ritualen. Heute sind Wallfahrten in Japan hochpopulär und werden in Medien, Tourismus und Alltagspraxis präsent. Der Autor unterscheidet drei Wallfahrtstypen: individuelle Wallfahrtsorte, Pilgerwege zu bestimmten Zielen und Pilgerwege, die mehrere Orte verbinden. Charakteristisch für japanische Wallfahrten ist ihre Vermischung von religiöser Praxis mit Tourismus, Sport und sozialer Interaktion. Der Artikel plädiert für ein erweitertes, nicht-denominationales Verständnis von Wallfahrten.