Der Artikel analysiert die Entwicklung einer Wahrnehmungswissenschaft in der Religionspädagogik um die Jahrtausendwende, die einen Paradigmenwechsel vom Handlungsparadigma hin zu einem Wahrnehmungsparadigma dokumentiert. Im Gegensatz zu einem engen Handlungsbegriff wird Wahrnehmen als vorgelagerter Prozess konzeptualisiert, der Grundlagen für Urteil und Handeln schafft. Der Artikel differenziert zwischen einem weiten Wahrnehmungsbegriff, der sinnliche Wahrnehmung, Gedächtnis, Imagination und konstruktive Sinndeutung einschließt, und einem engeren Begriff der ästhetischen Erfahrung. Diese Wahrnehmungen sind nicht passiv, sondern aktiv konstruktiv und konstituieren Subjektivität im Prozess des Wahrnehmens selbst. Methodisch werden hermeneutische und empirische Ansätze in der praktisch-theologischen Forschung unterschieden, wobei betont wird, dass jede empirische Studie hermeneutische Vorannahmen enthält. Die Phänomenologie wird als zentrale methodische Einstellung für wahrnehmungswissenschaftliche Grundlagen entwickelt, insbesondere in ihrer Verbindung mit transzendentalphilosophischen und ideologiekritischen Perspektiven. Der Artikel hebt die Bedeutung sprachlicher Vermittlung durch semiotische Methoden hervor und plädiert für eine dialektische Reflexion zwischen hermeneutischen Analysen und empirischer Bewährung, um ideologische Verfestigungen zu vermeiden.