Der Artikel behandelt Übersetzungsprozesse als Schlüsselkategorie der modernen Religionspädagogik. Ausgehend von der Feststellung, dass religiöse Traditionalsprache in säkularen Gesellschaften zunehmend fremd wird, entwickelt der Autor ein theoretisches Konzept zur Analyse intralingaler und intersemiotischer Übersetzungsvorgänge. Auf Basis von Roman Jakobsons Translationstheorie unterscheidet er zwischen intralingualen Übersetzungen (Umformulierungen innerhalb einer Sprache), interlingualen Übersetzungen (zwischen verschiedenen Sprachen) und intersemiotischen Übersetzungen (zwischen Sprache und anderen Zeichensystemen). Der Artikel zeigt, dass Theologie selbst auf Übersetzung gründet: Sie muss historische Gotteserfahrung in verständliche Rede von Gott übertragen. Das Konzept der Öffentlichen Theologie wird als Beispiel herangezogen, die religiöse und säkulare Sprache verbinden muss. Für die Religionspädagogik bedeutet dies, dass Lehrende und Lernende religiöse Inhalte durch verschiedene Verfahren und Strategien zugänglich machen müssen – etwa durch Kinderbibeln, Gebärdensprache, Leichte Sprache oder Bibliodrama. Das Modell umfasst sechs Komponenten: Übersetzer, Übersetzungsgegenstand, -intention, -verfahren, -produkt und -orte. Der Artikel reflektiert die theologische und didaktische Relevanz dieser Übersetzungsprozesse für religiöse Lehr-Lern-Prozesse und warnt vor einer unkritischen Übersetzbarkeit glaubensbegründeter Wörter in rationale Sprache.