Der Artikel behandelt das Wortpaar Transzendenz und Immanenz, das etymologisch auf lateinische Präpositionen zurückgeht und ursprünglich räumliche Kategorien (jenseits/diesseits) bezeichnet. Historisch dienten diese Begriffe vor allem zur Beschreibung postmortaler Erwartungen verschiedener Religionen, insbesondere im Christentum mit seinen Konzepten von Himmel, Hölle und Auferstehung. Mit der Neuzeit veränderte sich die Raumwahrnehmung grundlegend: Das kohärente wissenschaftliche Verständnis der Realwelt führte dazu, dass Transzendenz keinen äquivalenten Raum mehr beanspruchen konnte. Theoretisch wird Transzendenz daraufhin als Negation der Immanenz konzeptualisiert – als ein Möglichkeitsraum, der sich zunächst nur als Unterscheidung innerhalb der Immanenz manifestiert. Der Artikel bezieht sich auf soziologische Beobachtungen von Berger und Luckmann, die zeigen, wie Transzendenz in alltägliche Erfahrungen einbricht. Im Zentrum steht die systemtheoretische Analyse nach Niklas Luhmann: Das Religionssystem unterscheidet sich von anderen Funktionssystemen durch sein Medium (Glaube) und seine Leitunterscheidung (Immanenz/Transzendenz). Die Kunst religiöser Kommunikation besteht darin, immanente Dinge (Brot, Wein, heilige Orte) als doppelt konnotiert wahrzunehmen – gleichzeitig materiell und als Manifestationen des Transzendenten. Diese Differenzziehungen sind kulturell und konfessionell unterschiedlich geregelt. Der Artikel verdeutlicht, dass die Grenzziehung zwischen Transzendenz und Immanenz sowohl innerhalb als auch zwischen Religionen umstritten ist und dass die systemtheoretische Perspektive neue Einsichten in religiöse Kommunikationsprozesse ermöglicht.