Der Artikel untersucht den Suizid als historisch und kulturell variable Herausforderung für menschliches Denken und Handeln. Zentral ist die Analyse der verschiedenen Begriffe für Suizid und deren Bewertungskonnotationen: 'Selbstmord' suggeriert eine strafbare Handlung, 'Freitod' impliziert rationale Freiheit, während 'Suizid' als lateinisierte, wertneutrale wissenschaftliche Bezeichnung etabliert ist. Der Artikel betont, dass bereits die Wahl des Begriffs eine ethische Bewertung vorwegnimmt. Die moderne psychiatrische Definition von Suizidalität wird präsentiert als 'Summe aller Denk- und Verhaltensweisen, die den eigenen Tod anstreben oder als mögliches Ergebnis in Kauf nehmen', wobei der Tod nicht zwingend das unmittelbare Ziel darstellen muss. Der Artikel kontrastiert diese gegenwärtige Perspektive mit Durkheims klassischer soziologischer Definition von 1897, die bewusste Todesabsicht fordert. Es werden verschiedene Suizidtypen unterschieden, darunter der umstrittene 'Bilanzsuizid' (rationale Entscheidung in aussichtsloser Situation) und der 'altruistische Suizid' (primär politische Ziele). Der Artikel hebt hervor, dass psychiatrische Erkrankungen häufig vorliegen und die Wahrnehmung der Betroffenen verengt ist. Kulturhistorisch werden beispielhaft mittelalterliche und antike Fallbeispiele diskutiert, die zeigen, wie gesellschaftliche Kontexte die Definition von Suizid prägen.