Der Artikel behandelt die Sternsingeraktion als historisch gewachsenen und religionspädagogisch bedeutsamen Brauch des deutschen Katholizismus. Biblische Grundlage ist die Weihnachtsgeschichte aus dem Matthäusevangelium (Mt 2,1-12), die wissenschaftlich als Legende charakterisiert wird und zahlreiche alttestamentliche und außerbiblische Traditionen aufweist. Durch die Überlieferungsgeschichte transformierten sich die ursprünglich persischen Magier zu benannten Königen (Caspar, Melchior, Balthasar), die heilsgeschichtlich die Bekehrung der heidnischen Völker repräsentieren. Der Dreikönigskult entwickelte sich seit dem Mittelalter, besonders nach der Reliquienüberführung nach Köln 1164, und etablierte verschiedene Schutzpatrozinien und Bräuche wie das Dreikönigszeichen. Das Sternsingen als Heischebrauch entstand im 16. Jahrhundert, erlitt aber regional Rückgänge bis zur modernen Wiederaufnahme ab 1955 in Österreich und 1958/1959 in Deutschland durch das Kindermissionswerk. Die heutige Aktion wird vom Kindermissionswerk und dem BDKJ getragen und kombiniert missionarische Botschaft mit konkreter Entwicklungshilfe. Religionspädagogisch wirkt die Aktion als Lernort, wo Kinder als religiöse Handlungssubjekte Verantwortung für die globale Gemeinschaft übernehmen und ihre Taufberufung praktizieren. Die Sternsinger sammeln jährlich millionensummen und tragen damit zur weltweiten Solidarität sowie zur katechetischen Bildung bei.