Schweden hat ein seit 1962 etabliertes, obligatorisches Religionskundeunterricht-System, das als nicht-konfessionelles Multireligionen-Schulfach konzipiert ist und sowohl Wissen über als auch Lernen von verschiedenen Religionen, Weltanschauungen und ethischen Fragen in religionsmischten Klassen ermöglicht. Die historische Entwicklung zeigt einen Übergang von einem lutherisch-konfessionellen Unterricht (mit Luthers Katechismus) über eine protestantische Säkularisierung hin zur heutigen multireligiösen Ausrichtung seit 1969. Das Schulfach ist im Gegensatz zu vielen europäischen Ländern verpflichtend ohne Abmeldungsmöglichkeit und basiert auf einer religionswissenschaftlichen und sozialhumanistischen Tradition. Die Lehrplanziele (Lgr 11) umfassen die Entwicklung von Kenntnissen über Religionen, die Analyse ihrer gesellschaftlichen Rolle, Reflexion über Lebensthemen und Identität sowie die Bewertung von Glaubwürdigkeitsfragen. Empirische Forschungen zeigen jedoch Diskrepanzen zwischen Lehrplan und Praxis: Schüler wünschen sich mehr Diskussionen über Weltanschauungen und Ethik, Lehrer verbinden den Unterricht oft unzureichend mit der religiösen Realität der Gesellschaft, und verschiedene Religionsgemeinschaften kritisieren das Fach als verkappten Säkularismus oder Atheismusunterricht. Schwedens religiöse Landschaft hat sich durch Säkularisierung (nur 17% sehen Religion als wichtig für ihr Alltag) und zunehmende Migration grundlegend verändert: Während über 57% der Bevölkerung formal zur Evangelisch-Lutherischen Kirche gehören, zeigen sich 46-85% als atheistisch/agnostisch, und religiöse Minderheiten wie Muslime (5% der Bevölkerung) wachsen. Diese gesellschaftliche Pluralisierung stellt neue Anforderungen an den integrativen Religionsunterricht.