Belgien ist eine konstitutionelle Monarchie mit ausgeprägtem Föderalismus und komplexer Parteienkonstellation, die aus Gemeinschaften und Regionen strukturiert ist. Das Land leidet unter mangelnder nationaler Identität, wachsenden flämischen Nationalismus und dem Risiko einer Teilung zwischen wohlhabendem Norden und ärmerer Wallonie. Historisch war Belgien ein katholisches Land und Religion spielte als verbindendes Element in der Struktur des Säulenstaates eine zentrale Rolle. Seit dem Zusammenbruch dieses Systems in den 1990er Jahren nimmt die institutionalisierte Laizität kontinuierlich an Einfluss zu, während die Anzahl konfessionell gebundener Menschen sinkt und sich immer mehr als konfessionslos, agnostisch oder atheistisch bezeichnen. Die katholische Kirche verliert erheblich an Mitgliedern und Glaubwürdigkeit, besonders durch Missbrauchsskandale. Der Islam ist vor allem in größeren Städten wie Brüssel verbreitet und wird von Migranten und deren Nachkommen aus Maghreb-Staaten und der Türkei geprägt. Anders als das französische Modell definiert sich der belgische Staat als neutral und nicht als laizistisch, jedoch versuchen laizistische Verbände systematisch, Religion aus dem öffentlichen Leben zu verbannen. Diese Entwicklung zeigt sich besonders in gesetzlichen Regelungen zu Abtreibung und Sterbehilfe, wobei die laizistische Lobby erheblichen politischen Einfluss ausübt. Flämische Regionen zeigen weniger Resonanz für laizistische Positionen als die Wallonie, wo französische Laizitätskonzepte großen Einfluss haben.