Der Artikel argumentiert, dass körpersensible Religionspädagogik eine notwendige Ergänzung des religionspädagogischen Diskurses darstellt, der bislang Körperlichkeit marginalisiert hat. Während der sogenannte "somatic turn" in den Wissenschaften die Wiederkehr des Körpers beschreibt, fehlt diese Perspektive in der Religionspädagogik, obwohl körperliche Faktoren Unterrichtsgestaltung beeinflussen. In der Adoleszenz wird der Körper für Jugendliche besonders bedeutsam, da er sich verändert, soziale Zugehörigkeit signalisiert und als Medium der Identitätsentwicklung fungiert. Zeitgenössische Körperpraktiken sind von einer Ambivalenz zwischen Körperverdrängung und -aufwertung geprägt, was sich in Phänomenen wie Selftracking, körperlichem Enhancement und Schönheitsoperationen manifestiert. Selfies zeigen exemplarisch, wie Jugendliche ihren Körper inszenieren und zur Identitätsfindung nutzen, während sie gleichzeitig sozialen Normen und Medienidealen ausgesetzt sind. Eine körpersensible Religionspädagogik sollte entwicklungspsychologische und soziokulturelle Bedingungen ernst nehmen, theologisch fundiert sein und didaktische Lernformen anbieten, die den Körper als Lerngegenstand und Medium in den Mittelpunkt stellen. Der Artikel plädiert dafür, dass Religionsunterricht diese zeitgenössischen Körperpraktiken kritisch reflektiert und Jugendliche bei der Aushandlung von Körperidealen unterstützt.