Die Islamische Religionspädagogik ist eine junge Wissenschaftsdisziplin an deutschen Universitäten, deren Entwicklung eng mit der Immigration muslimischer Schüler seit den 1970er Jahren und dem politischen Willen zur Etablierung islamischen Religionsunterrichts verknüpft ist. Erste Angebote entstanden ab 1977 in Bayern als Religionskunde im Rahmen muttersprachlichen Unterrichts, später folgten deutschsprachige Schulversuche in mehreren Bundesländern ab 1999. Die Frage der Lehrkräfteausbildung führte zur Einrichtung von Lehrstühlen ab 2002 an Universitäten wie Erlangen-Nürnberg, Münster und Osnabrück. Ein Wendepunkt war die Empfehlung des Wissenschaftsrats 2010 zur Weiterentwicklung islamischer Studien, die zur Gründung von fünf Zentren islamischer Theologie führte und 2019 um zwei weitere erweitert wurden. Die islamische Religionspädagogik etablierte sich damit als institutionalisiertes Universitätsfach mit eigenständigem Forschungs- und Lehrangebot. Die bisherige Forschung konzentriert sich auf die Unterrichtsgestaltung für das Schulfach, insbesondere auf Korandidaktik, performative Didaktik und interreligiöses Lernen. Ein zentrales didaktisches Problem ist der respektvolle Umgang mit dem Koran als heiligem Text, bei dem religionspädagogische Konzepte zwischen traditionellen ritualen Anforderungen und schulischem Lernkontext vermitteln müssen. Der Artikel verdeutlicht die enge Verflechtung zwischen schulischer Praxis und universitärer Disziplinentwicklung sowie die Bedeutung von institutionellen Strukturen für die Etablierung eines neuen Forschungsfeldes im deutschen Hochschulsystem.