Der Artikel von Janosch Freuding definiert Othering als einen Prozess der Fremd- und Andersmachung, der häufig zu Diskriminierung und Ausgrenzung führt. Es wird zwischen zwei Verwendungsweisen unterschieden: einer allgemeinen Bedeutung als Fremdmachungsprozess und einer spezifischen postkolonialen Theoriebildung. Der Begriff wurde vor allem durch Gayatri Chakravorty Spivak geprägt, die analysiert, wie Kolonialmächte ihre Überlegenheit durch systematische Abwertung anderer Kulturen konstruierten. Edward Said's Analyse europäischer Orient-Diskurse trug ebenfalls wesentlich zur Entwicklung der Othering-Forschung bei und zeigt, wie Wissensproduktion mit Machtbeziehungen verwoben ist. Der Artikel unterscheidet zwischen spontanen, individuellen Fremdheitserfahrungen im Sinne Waldenfels' und systematischen Othering-Haltungen, die gesellschaftliche Ordnungen des ‚Eigenen' und ‚Fremden' verfestigen. Othering wird als ein gesellschaftliches Dispositiv verstanden, das über verschiedene Instanzen hinweg wirkt. Der Zusammenhang zu Diskriminierung und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit wird präzisiert, wobei Othering auf verschiedenen Ebenen stattfinden kann: interaktional, institutionell, medial oder strukturell-gesamtgesellschaftlich. Ein intersektionaler Ansatz wird für die Analyse von Othering-Praktiken empfohlen, da diese multiple Dimensionen sozialer Kategorien berücksichtigt.