Der Artikel von Bernhard Grümme analysiert das Konzept der Öffentlichen Politischen Theologie im Kontext gegenwärtiger Diskurse über Religion und Gesellschaft. Gegen vereinfachte Säkularisierungstheorien wird argumentiert, dass Religion in spätmodernen Transformationsprozessen nicht verschwunden ist, sondern in vielfältiger Weise öffentlich präsent bleibt. Das Konzept der Öffentlichen Politischen Theologie profiliert sich durch kritische Auseinandersetzung mit der Öffentlichen Theologie einerseits und der Politischen Theologie andererseits. Die Öffentliche Theologie, zurückgehend auf M. E. Marty und geprägt durch Wolfgang Huber und Heinrich Bedford-Strohm, betont die Kommunikabilität und zivilgesellschaftliche Rolle des Glaubens in liberalen Demokratien, ohne grundsätzliche Gesellschaftskritik anzustreben. Die Politische Theologie hingegen fokussiert auf strukturelle Veränderung und radikale Kritik gesellschaftlicher Verhältnisse. Grümme identifiziert eine Aporie der Öffentlichen Theologie darin, dass sie von einer bereits demokratischen Gesellschaft ausgeht und damit demokratietheoretische Debatten über radikale Partizipation und Inklusion vernachlässigt. Die Öffentliche Politische Theologie soll diese Spannung produktiv aufheben, indem sie beide Ansätze dialektisch vermittelt: Sie bewahrt das Anliegen der Entprivatisierung und öffentlichen Präsenz des Christentums, verbindet es aber mit einer kategorialen Gesellschaftskritik, die strukturelle Transformationen anvisiert. Damit eröffnet sie neue Perspektiven für theologische Beiträge zu demokratietheoretischen Diskursen.