Der Artikel von Bernhard Grümme entwickelt einen Ordnungsbegriff als Grundkategorie für die religionspädagogische Theorie und Analyse. Ausgehend von der Feststellung, dass räumliche und zeitliche Ordnungen gesellschaftliche Praktiken und Identitäten prägen, wird die theoretische Genealogie von Foucaults Disziplinargesellschaft über Rickens Bildungstheorie nachgezeichnet. Der Ordnungsbegriff ermöglicht es, die komplexen Interdependenzen von Subjektivität, Subjektivierung und Struktur im hegemonialen Kontext zu analysieren. Bildung wird dabei nicht als autonomiefördernder Prozess verstanden, sondern als säkularisierte Pastoralmacht, die durch ihre formativen Vorbahnungen des Selbst Selbstkontrolle kultiviert und Machtverhältnisse reproduziert. Der Ordnungsbegriff offenbart die kontraintuitiven und kontraintentionalen Performanzen pädagogischer Praktiken, die als Illusionen von Autonomie fungieren, während sie tatsächlich Normalisierungs- und Disziplinierungsprozesse vollziehen. Die normative Ordnung unterscheidet sich von einer bloßen Disziplinarordnung durch ihre explizit kritische und analytische Perspektive. Dies ist besonders relevant für die Religionspädagogik in der Postdigitalität, wo digitale Formate neue Ordnungen schaffen. Der Text plädiert dafür, Ordnung als zentrale Kategorie religionspädagogischer Selbstverständigung zu etablieren, um hidden curricula und verborgene Machteffekte in pädagogischen Prozessen transparent zu machen.