Der Artikel behandelt die Münchener Methode als innovatives religionsunterrichtliches Artikulationsschema des frühen 20. Jahrhunderts, das von einer katholischen Reformbewegung entwickelt wurde. Sie markiert den ersten von drei Paradigmenwechseln in der Geschichte des deutschsprachigen katholischen Religionsunterrichts und stellte einen Übergang dar von der neuscholastischen, katechismusgebundenen Textanalyse zu einer psychologisch fundierten Unterrichtspraxis, die die Rezeptionsbedingungen der Lernenden berücksichtigte. Der Münchener Katecheten-Verein verfolgte das Ziel, den Religionsunterricht auf den didaktischen Stand der anderen Schulfächer zu heben und orientierte sich dabei an der wissenschaftlichen Unterrichtstheorie Herbarts und Zillers. Die Methode besteht aus einem fünfstufigen Schema mit Vorbereitung, Darbietung, Erklärung, Zusammenfassung und Anwendung. Sie funktionierte induktiv statt deduktiv und stellte damit einen radikalen Bruch mit der überkommenen Praxis dar. Die Gegner der Münchener Methode warfen ihr vor, Glaubenswahrheiten aus natürlicher Anschauung herzuleiten und damit die Übernatürlichkeit des Glaubensgutes zu gefährden. Trotz massiver kirchlicher Widerstände und Häresieverdächtigungen gelang es den Reformern, ihre methodischen Neuerungen zu legitimieren. Die Münchener Methode wurde bis in die 1960er-Jahre in deutschsprachigen Gebieten praktiziert und strahlte international aus, fand Anerkennung auf dem Missionskatechetischen Kongress in Eichstätt 1960 und trug wesentlich zur Konstitution einer wissenschaftlichen Religionspädagogik bei. Sie verdankte ihre Bedeutung nicht allein als Unterrichtsschema, sondern als Katalysator für eine grundsätzliche Neuausrichtung religionspädagogischen Denkens. Ab den 1970er-Jahren wurden sie durch das Korrelationsprinzip als drittes Paradigma abgelöst und ist heute vornehmlich Gegenstand der Geschichtsschreibung der Religionspädagogik.