Carolin Lampa analysiert in diesem Artikel die bibeldidaktische Bedeutung der Mose- und Mirjam-Erzählungen für die Sekundarstufe. Sie verbindet biblische Inhalte mit den Lebenserfahrungen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, insbesondere deren Fragen nach Freiheit, Aufbruch und Identitätsfindung. Die Figur des Mose wird als zentrale Gestalt dargestellt, die in existenziellen Konflikten zwischen zwei Kulturen und Identitäten lebt und trotz Selbstzweifel von Gott berufen wird. Die wiederholte Zusage "Ich werde mit dir sein" spricht dabei sowohl die Erfahrung von Unsicherheit als auch von Gottesnähe an. Der Artikel betont, dass die Mose-Erzählung literarisch, nicht historisch verstanden werden sollte, um ihre theologische Aussage von Gott als befreiendem und rettendendem Gott herauszustellen. Die Figur der Mirjam ergänzt diese Perspektive um innere Faktoren wie Persönlichkeitsbildung, Stärken und Schwächen. Im Buch Exodus wird eine Gliederung in zwei Teile deutlich: die Befreiung aus Ägypten und die Offenbarung am Sinai mit dem Bundesschluss. Die Geburtsgeschichte des Mose zeigt legendäre Züge und verweist auf seine Zerrissenheit zwischen ägyptischer und hebräischer Identität. Die Berufungserzählung des Mose als erste biblische Berufungsgeschichte wird als ein Prozess dargestellt, in dem Gott den Menschen in seinem Alltag überraschend trifft. Die Auseinandersetzung zwischen JHWH und dem Pharao verfolgt das Ziel, sowohl Israel zu befreien als auch die Ägypter von der Wahrheit des Gottes Israels zu überzeugen. Insgesamt wird deutlich, dass Gottes "Ich-bin-da" sich an das einzelne Subjekt ebenso richtet wie an das Volk, womit eine Verbindung zwischen struktureller und individueller Befreiung hergestellt wird.