Der Lexikonartikel von Tanja Gojny behandelt die didaktischen und methodischen Potenziale des Malens und Zeichnens im Religionsunterricht, insbesondere ab der Sekundarstufe II. Der Artikel unterscheidet diese Praxis vom Kunstunterricht und betont die spezifischen Chancen für religiöse Lernprozesse. Zentral ist die Vorstellung, dass sinnliche Eindrücke durch bildnerisches Gestalten zum Ausdruck kommen und so Schülerinnen und Schüler ihre Weltsicht und religiöse Vorstellungen visualisieren können. Der Artikel entwickelt fünf Funktionsbereiche: Erstens ermöglicht bildnerisches Gestalten einen metaphorischen Ausdruck, der sprachlich nicht vollständig erfassbar ist. Zweitens verwirklicht sich Subjektorientierung, indem Lernende ihre Selbstwirksamkeit erleben und ihre eigenen Prägungen einbringen. Drittens führt kreatives Gestalten zu einer sinnvollen Verlangsamung des Unterrichtsprozesses, die tiefere Konzentration und Reflexion ermöglicht. Viertens bietet es Möglichkeiten der Aneignung und Distanzierung gegenüber religionsunterrichtlichen Inhalten. Fünftens entstehen dialogische Prozesse zwischen kognitiver Reflexion und körperlichem Handeln. Der Artikel verbindet bildnerisches Gestalten mit Ansätzen des Bewegten Religionsunterrichts und zeigt, wie leiblich-motorische Erfahrungen in Heftgestaltung überführt werden können. Mit praktischen Beispielen und Abbildungen wird demonstriert, wie offene Gestaltungsaufgaben individuellen Ausdrucksformen Raum geben und religiöse Lernprozesse nachhaltig vertiefen.