Andreas Mauz analysiert in seinem WiReLex-Artikel die dichte und vielschichtige Verbindung zwischen Lyrik und Religion mit Fokus auf religionspädagogische Anwendungen. Ein zentraler Vorteil von Gedichten im Unterricht liegt in ihrer formalen Kürze, die eine integrale Bearbeitung innerhalb begrenzter Zeit ermöglicht. Der Autor präsentiert eine literaturwissenschaftliche Gattungsbestimmung, die Lyrik als monologische Einzelrede in Versen definiert, die sich durch negative Kriterien (nicht dramatisch, nicht narrativ) und positive formale Merkmale auszeichnet. Er hebt hervor, dass moderne Gedichte bewusst von standardsprachlichen Regeln abweichen und eine hohe Affinität zu bildlicher und assoziativer Rede aufweisen. Historisch wird die Lyrik seit dem 18. Jahrhundert mit Subjektivität und Individualität verbunden, wobei das 'lyrische Ich' in der Aneignung durch Leser und besonders im liturgischen Kontext besondere Bedeutung gewinnt. Detering identifiziert drei zentrale historische Komplexe: die gemeinsame Genese von religiösen Praktiken und Versrede, das Spannungsverhältnis von Säkularisierung und Sakralisierung, sowie die Verhältnisse religiöser Rede in der Moderne. Der Artikel stellt fest, dass trotz vorhandener Fachliteratur eine umfassende Handreichung, die literaturwissenschaftliches, theologisches und pädagogisches Wissen bündelt, noch ein Desiderat darstellt. Die Arbeit mit lyrischen Texten wird als religionspädagogische Ressource verstanden, die enge Beziehungen zur Bibel- und insbesondere Psalmendidaktik aufweist.