Der Artikel von Claudia Gärtner behandelt die kirchengeschichtsdidaktische Funktion von bildender Kunst im religiösen Unterricht. Kunst wird zunächst begrifflich eingegrenzt auf bildende Kunstwerke, die sich durch Mehrdeutigkeit und Eigenständigkeit auszeichnen und somit von reiner Illustration unterscheiden. Die Arbeit mit Kunstwerken im kirchengeschichtlichen Kontext erfordert interdisziplinäre Kompetenzen in Kunstgeschichte, Kunstdidaktik und Geschichtswissenschaft, muss aber zugleich religionspädagogisch fokussiert bleiben. Ein zentrales Potenzial liegt darin, dass Kunstwerke durch ihre materielle Präsenz und Originalität multisensorisches, emotional orientiertes Lernen ermöglichen, das trockenes historisches Lernen belebt. Kunstwerke fungieren als stellvertretende Träger religiöser Erfahrungen und können die didaktische Herausforderung der Fremdheit historischer Phänomene produktiv bearbeiten. Die Simultaneität von Bildern ermöglicht es, historische Prozesse ganzheitlich wahrnehmbar zu machen, etwa durch sichtbare Brüche und Übermalungen. Der Artikel unterscheidet drei Typen didaktisch relevanter Kunstwerke: erstens Kunstwerke als historische Quellen, die religiöse und gesellschaftliche Kontexte offenbaren; zweitens Kunstwerke als künstlerische Rekonstruktionen von (Kirchen-)Geschichte, die zeigen, wie verschiedene Epochen ihre eigene Geschichte gedeutet haben; drittens Kunstwerke als Fenster zu kulturellen Bedeutungswelten. Diese Typisierung ermöglicht eine systematische Integration von Kunst in kirchengeschichtliche Lernprozesse unter Beachtung kunstgeschichtlicher Methoden und etablierter Auswahlkriterien wie Ökumenizität, Alltagsgeschichte und Geschlechtersensiblität.