Der Artikel von Michael Fricke bietet einen umfassenden Überblick über Kinder- und Jugendbibeln, die an der Schnittstelle von Theologie, Pädagogik und Literatur stehen. Seit dem 16. Jahrhundert wurden ca. 1.000 deutschsprachige Werke nachgewiesen, wobei die Grundannahme besteht, dass die Vollbibel für Kinder zu komplex ist. Der Artikel unterscheidet zwei Definitionstypen: eine formal-abstrakte Definition nach Reents (orientiert an Gebrauchssituation) und eine konkret-inhaltliche nach Tschirch (betont Textauswahl, Erzählkonzeption und Illustration). Während der Begriff "Kinderbibel" etabliert ist, bleibt "Jugendbibel" ein Grenzphänomen, da Jugendliche grundsätzlich alle Texte lesen können. Die Geschichte zeigt, dass erst mit der Aufklärung und der Wahrnehmung von Kindern als eigenständige Gruppe eine flächendeckende Verbreitung möglich wurde; Hübners "Biblische Historien" (1731) waren lange prägend. Der Artikel kategorisiert verschiedene Typen (Bilderbibeln, Bilderbücher, Comics, Sachbücher) und schlägt eine differenzierte Analyseheuristik vor, die nicht nur die Textdimension (paraphrasierend bis frei), sondern auch Bilddimension und Alter der Rezipierenden berücksichtigt. Dabei wird deutlich, dass Auswahlbibeln zwar für Kinder und Jugendliche konzipiert sind, aber auch auf Erwachsene wirken, was in der Analyse mitbedacht werden muss.