Der Artikel untersucht Kindheit als historisch und kulturell variable Kategorie, nicht als biologische Konstante. Ausgangspunkt ist die These von Philippe Ariès, dass Kindheit eine Erfindung der bürgerlichen Gesellschaft des 17. Jahrhunderts darstellt. Der Autor zeigt, dass gesellschaftliche, kulturelle und zeitgeschichtliche Bedingungen entscheidend prägen, wie Kindheit verstanden und gestaltet wird, etwa durch das Vorhandensein von Schulwesen und Bildungsinstitutionen. In der Antike unterschied man zwischen teknon (biologisches Kind) und paidion (zu erziehendes, rechtlich unmündiges Wesen). Die moderne Pädagogik und Entwicklungspsychologie verstehen das Kind als in Stufen oder Phasen heranwachsendes Wesen. Erst mit Rousseau im 18. Jahrhundert wurde der Eigenwert des Kindes anerkannt, was letztlich zur UN-Kinderrechtskonvention von 1989 führte. Die Reformpädagogin Ellen Key prägte die Idee vom Jahrhundert des Kindes und veränderte die Beziehung zwischen Erwachsenen und Kindern. Die zeitgenössische Religionspädagogik würdigt Kinder als theologisch-philosophisch kompetente Subjekte, nicht als bloße Objekte der Erziehung. Dies erfordert eine anthropologische Neubesinnung, die den Erwachsenenzentrismus überwindet. In der Bibel werden Kinder als Segen, göttliche Gabe und Reichtum, aber auch als vulnerable Bevölkerungsgruppe dargestellt; Kindheit ist dort eng mit ökonomischen und sozialen Bedingungen verknüpft.