Der Artikel analysiert die religionspädagogische Bedeutung der Jona-Geschichte für Grundschüler der 1. und 2. Klasse. Während des Übergangs vom Kindergarten zur Grundschule durchleben Kinder eine Krise, in der die Lehrkraft zur wichtigsten Autorität wird und emotionale Auflehnungsprozesse entstehen. Parallel entwickeln Kinder ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsverständnis und intensive Emotionen wie Angst, Zorn und Trauer. Die Jona-Geschichte bietet einen idealen Kontext außerhalb familiärer Beziehungen, um Fragen nach Gehorsam, Auflehnung, Gerechtigkeit und Gottesbild zu thematisieren. Das Buch wird als spätexilisch (4.-3. Jahrhundert v.Chr.) eingeordnet, geschrieben für eine Zeit, in der Ninive bereits zerstört und das Assyrische Reich untergegangen war. Die Geschichte zeigt theologisch, dass Gott sich dem Menschen auch bei Auflehnung zuwendet und dass Umkehr und Gnade möglich sind. Intern-biblisch verbindet sich die Jona-Geschichte mit der Flutgeschichte durch das Motiv der Rettung im Bauch (Arche/Fisch). Das Buch zeichnet sich durch literarische Mehrdeutigkeit aus und wendet sich am Schluss direkt und fordernd an den Leser, ähnlich dem epischen Theater Brechts. Für Kinder wird die Geschichte besonders in ihrer Botschaft bedeutsam, dass Gott Haltungsänderungen möglich macht und dass Meinungsänderung und Erbarmen wichtiger sein können als strikte Gerechtigkeit.