Der Beitrag analysiert, wie die Jakobserzählung aus Genesis 25-33 in der Grundschuldidaktik thematisiert wird. Steinkühler dokumentiert zunächst, welche Episoden typischerweise unterrichtet werden, und verweist auf die häufige Skepsis gegenüber Jakobs Charakter, der durch Betrug und Betrogensein charakterisiert ist. Sie kritisiert den Ansatz, biblische Gestalten als moralische Vorbilder zu präsentieren oder theologische Lösungen wie 'Gott macht krumme Wege gerade' anzubieten. Stattdessen plädiert sie für eine realistisch-nüchterne Präsentation, die biblische Erfahrungen mit kindlichen Lebenserfahrungen in Beziehung setzt. Zentrale Motiv-Komplexe sind innerweltlich: Differenz und Beziehung, Grenzen der Freiheit, Tat und Folge, Reue und Versöhnung; sowie religiös-transzendent: Planung und Fügung, Segen, Verantwortung und Gnade. Bei 'Differenz und Beziehung' werden Erfahrungen ungleicher Behandlung durch Bezugspersonen erörtert, die Gerechtigkeitsfragen aufwerfen. 'Grenzen der Freiheit' zeigt auf, wie Kinder versuchen, Regeln durch Tricks zu umgehen, ähnlich Jakobs Betrug. 'Tat und Folge' behandelt kindliche Erfahrungen mit Schuldgefühlen und Konsequenzen ungerechter Handlungen. 'Reue und Versöhnung' thematisiert die schwierige Erfahrung, Versöhnung nicht selbst in der Hand zu haben. 'Planung und Fügung' arbeitet mit Konzepten von Unverfügbarkeit, die Kinder bereits kennen. 'Segen' wird als Wunsch für Gutes verstanden, das zwischen ideell und materiell liegt. 'Verantwortung und Gnade' vermittelt zwischen kindlicher Gerechtigkeitserwartung und einem tieferen Verständnis von Barmherzigkeit. Der Artikel betont, dass diese Zugangsweise davon abhält, kurzschlüssig moralische Urteile zu fällen, und stattdessen leitet, widerständige Motive aufzuspüren und neu zu verhandeln. Die Jakobserzählung wird so als Ressource für religiöses Lernen in der Spannung zwischen menschlicher Schuld und Gottes schöpferischer Gnade verstanden.