Der Artikel von Monika Tautz untersucht interreligiöses Lernen als Herausforderung für den gymnasialen Religionsunterricht. Angesichts gesellschaftlicher Pluralisierung wird interreligiöse Kompetenz als notwendig erachtet, die nach Schambeck in verschiedene Kompetenzbereiche (ästhetisch, hermeneutisch-reflexiv, hermeneutisch-kommunikativ, praktisch) unterteilt wird. Eine besonderheit des Gymnasiums liegt in der langen Schulzeit von 8-9 Jahren, die aufbauende Lernprozesse ermöglicht. Statistiken zeigen, dass am Gymnasium weniger interkulturelle Begegnung stattfindet als an anderen Schulformen (27% vs. 51% Schüler mit Migrationshintergrund an Hauptschulen). Der Religionsunterricht hat die Aufgabe, Schülerinnen und Schüler zu befähigen, sich angesichts von Religionsplural angemessen zu verhalten. Dies setzt Wahrnehmung des Anderen und des Eigenen als fremd voraus sowie Sensibilität für religiöse Überzeugungssysteme. Areligiöse Haltungen müssen einbezogen werden, da viele Schüler kaum religiös sozialisiert sind. Lehrplananalysen verschiedener Bundesländer zeigen, dass nicht-christliche Religionen aufgeführt sind, jedoch oft nur religionskundlich behandelt werden. Das Gymnasium ermöglicht differenzierte Konzepte für verschiedene Entwicklungsphasen: Orientierungsstufe (Klassen 5-6), Mittelstufe (7-10) und Oberstufe (11-13). In der Oberstufe können sich Komplementaritätsdenken und Perspektivenwechsel entwickeln, die tiefere interreligiöse Begegnungen ermöglichen. Religionskundliche Wissensvermittlung bildet die Grundlage, interreligiöses Lernen sollte aber als unterrichtsübergreifendes Prinzip verstanden werden, besonders bezüglich der abrahamischen Religionen.