Der Artikel untersucht die Rolle der Hölle in der christlichen Religionspädagogik unter Berücksichtigung theologischer, gesellschaftlicher und empirischer Perspektiven. Die moderne Theologie hat postmortale Erwartungen entpönisiert und die Religionspädagogik sich aus kritischer Reflexion ihrer katechetischen Instrumentalisierungsgeschichte dem Thema nur wenig direkt gewidmet. Kindertheologische Studien zeigen, dass Grundschulkinder Höllenvorstellungen relativ unbefangen äußern, oft als Strafort für böse Menschen, wobei sie teilweise die Hoffnung auf Befreiung durch Gott verbinden. Jugendliche hingegen argumentieren tendenziell gegen die Hölle und basieren ihre Skepsis auf positivem Gottes- und Menschenbild sowie auf der Kritik der Funktionalisierung von Höllenvorstellungen. Empirische Daten zeigen, dass nur etwa 30 Prozent der Jugendlichen der Hölle Bedeutung zubilligen, wobei religiöse Selbstattribuierung und konventionelle Werteausrichtungen mit Höllenglauben korrelieren. Ein innovativer Befund ist, dass Jugendliche bei Fragen zur Gerechtigkeit und zum Täter-Opfer-Problem initiativ eigene Höllenkonzeptionen entwickeln und sich dabei an theologisch relevanten Spannungsfeldern (Hoffnung versus Gerechtigkeit, Gnade versus Gerechtigkeit) abarbeiten. Der Artikel verdeutlicht, dass die Hölle weiterhin in Alltagstheologie, Familie, Kunst, Literatur und Medien präsent ist und die Religionspädagogik sich damit auseinandersetzen muss, ohne dabei zu traditionalen Drohbotschaften zurückzufallen. Historisch wird nachvollzogen, wie sich Höllenvorstellungen vom alttestamentlichen Scheol über das Gehenna-Konzept bis zur mittelalterlichen Theologie entwickelt haben.