Der Artikel befasst sich mit der religionspädagogischen Problematik von biblischen Texten, in denen Gott Gewalt befiehlt oder ausübt. Die traditionelle Praxis, solche Texte im Unterricht zu glätten oder auszulassen, wird kritisiert, da sie einer theologisch unsachgemäßen Reduktion gleichkommt. Theuer argumentiert hingegen, dass die volle Ambivalenz der biblischen Gottesrede im Unterricht thematisiert werden sollte, um sowohl den biblischen Texten als auch der Lebenswirklichkeit der Schüler gerecht zu werden. Kinder und Jugendliche sind mit Gewalt in ihrer Umwelt konfrontiert und kennen ethische Ambivalenz; ein einseitiges Gottesbild schafft daher eine unrealistische Sonderwelt. Bereits Grundschüler sind in der Lage, komplexe Gottesbilder zu integrieren, zumal ihr Gerechtigkeitsempfinden die Bestrafung von Bösen durch Gott nachvollziehbar macht. Darüber hinaus ist eine fundierte Auseinandersetzung mit biblischen Gewalttexten notwendig, um ihre Instrumentalisierung zur Gewaltlegitimation zu verhindern. Der Artikel analysiert exemplarisch die Sintfluterzählung als Konsequenz menschlichen Fehlverhaltens innerhalb einer Heilsgeschichte, die auf Bewahrung und Bundesverheißung zielt. Die vorexilischen Propheten verkünden Gericht als Strafe für ethisches und religiöses Versagen der Mächtigen. Zentral ist auch die Exodus-Theologie, die Gottes Macht zur Befreiung von Unterdrückten darstellt und die Vernichtung von Unterdrückungssystemen als Gerechtigkeit verständlich macht. Durch literarische, theologische und historische Kontextualisierung werden biblische Gewalttexte didaktisch erschlossen und von willkürlicher Gewalt unterschieden.