Der Artikel von Veit-Jakobus Dieterich analysiert das Verhältnis zwischen Glaube und Naturwissenschaft, wobei er zunächst terminologische Präzisierungen vornimmt und von einem Wechsel zu 'Theologie und Naturwissenschaft' plädiert. Der Autor identifiziert fünf historisch ausgebildete Modelle zur Verhältnisbestimmung: das Konflikt- oder Feindschaftsmodell (Materialismus vs. Fundamentalismus), das topologische Modell der Lückentheologie, das diastatische Modell absoluter Trennung, das dialektisch-dialogische Modell und das monistische Integrationsmodell. Diese werden auf drei grundlegende Positionen reduziert: Feindschaft, Gesprächsabbruch und Dialog. Entscheidend für die Überwindung von Konflikten ist die Einsicht, dass Theologie und Naturwissenschaften auf unterschiedlichen wissenschaftstheoretischen Ebenen arbeiten: Die Naturwissenschaften fragen kausalanalytisch und gesetzmäßig unter methodischem Ausschluss übernatürlicher Perspektiven, während die Theologie nach Sinnzusammenhängen und göttlichem Wirken fragt. Der Artikel differenziert zwischen methodischem Weltzugang, Weltbild und Weltanschauung und analysiert wissenschaftstheoretische Positionen vom Logischen Empirismus über Poppers Falsifikationismus bis zu Kuhns Paradigmenwechsel. Am Beispiel der biblischen Schöpfungsaussagen demonstriert der Autor, dass diese keine naturwissenschaftlichen Berichte, sondern Glaubensaussagen sind, die altorientalische Vorstellungen im Licht des Gottesglaubens transformieren. Die Vielfalt und teilweise Widersprüchlichkeit biblischer Schöpfungstexte wird nicht als Problem, sondern als Zeichen ihrer theologischen Tiefe gedeutet. Der Autor schlussfolgert, dass biblische Zeugnisse sich zwar in damaligen Weltbildern bewegen, diese aber zugleich so transzendieren, dass sie für sich verändernde Weltbilder offen bleiben.