Der Artikel von Paul Platzbecker behandelt Freiheit als philosophisches und theologisches Konzept. Ausgehend von Kants Unterscheidung zwischen negativer Freiheit (Freiheit von Zwängen) und positiver Freiheit (Selbstbestimmung) entfaltet der Autor verschiedene Dimensionen: Willensfreiheit wird unterschieden von Handlungsfreiheit, innere von äußerer Freiheit. Das Fundament von Freiheit liegt in der unreduzierbaren Erfahrung, sich selbst zu wählen. Der Artikel würdigt Kants Lösung der dritten Antinomie, setzt sich aber auch kritisch mit neurowissenschaftlichen Freiheitsskepsis auseinander und vertritt die Unterscheidung zwischen messbaren Ursachen und vernünftigen Gründen. Theologisch wird die ambivalente Natur der Freiheit deutlich: Sie kann zur Sünde und Selbstzerstörung führen, aber auch in der Anerkennung anderer Freiheit ihre Erfüllung finden. Die alttestamentliche Befreiungsgeschichte und Jesu grenzüberschreitende Liebe werden als historische Heilszeichen interpretiert. Paulus zentralisiert Freiheit als Befreiung von Sünde, Tod und Gesetzeszwang durch Christus. Gegenwärtig gefährden Pluralisierung, Individualisierung, ökonomische Funktionalisierung und gesellschaftliche Undurchschaubarkeit die Freiheitserfahrung. Theologie und Religionspädagogik werden aufgefordert, diese Herausforderungen aufzugreifen und die christliche Freiheitsbotschaft zeitgemäß zu vermitteln.