Der Artikel von Hans Mendl analysiert Franz von Assisi als Heiligenfigur mit didaktischem Potenzial für religiöse Bildung, insbesondere bei jungen Menschen. Der Autor argumentiert, dass Franz von Assisi als "Fadensucher" in existenziellen Fragen fungiert und zeitüberdauernde Lebensmuster verkörpert, die von ausgelassener Lebensfreude bis zu existenziellem Leiden reichen. Eine zentrale These besagt, dass Franz von Assisi sich als ideale Projektionsfläche erweist, auf die jede Epoche ihre eigenen Anliegen projiziert – von Friedensbewegungen des Kalten Krieges bis zur ökologischen Krise in der Gegenwart. Der Artikel bietet eine Übersicht über verschiedenste Interpretationen, die zeigen, dass die Rezeption des Heiligen historisch variabel ist. Zugleich wird betont, dass eine adäquate Interpretation Franz von Assisis sein hochmittelalterliches Umfeld erfordert, das durch wirtschaftliche Umbrüche, Urbanisierung, kirchliche Reformbewegungen und eine Armutsbewegung gekennzeichnet war. Der Artikel betont, dass das Hochmittelalter keineswegs eine statische, sondern eine Zeit massiver gesellschaftlicher Transformationen war, in der eine jenseitsbezogene Heilssehnsucht die Religiosität prägte. Der Autor argumentiert, dass Franz von Assisis Entscheidung zur radikalen Nachfolge Christi und seiner Ablehnung von Reichtum im Kontext dieser Armutsbewegungen verstanden werden muss. Abschließend wird deutlich, dass Franz von Assisi für religionspädagogische Kontexte ein vielfältiges Reflexionspotenzial bietet, da seine Lebensgeschichte fundamentale Fragen von Sinnfindung, Lebensgestaltung und religiöser Identitätsbildung aufwirft.